Jugendbegegnung Judo Dresden – Teplice

von Dirk Caspary

Der VfB Hellerau-Klotzsche verbindet Sport mit Völkerverständigung. Nach zwei Jugendbegegnungen mit Breslau (Polen) stand dieses Wochenende für die Judoka des Vereins eine Begegnung mit Tschechien auf dem Programm. Etwa 30 Jugendliche aus Teplice trafen von Donnerstag bis Sonntag auf die gleiche Zahl von deutschen Sportlern. Im Mittelpunkt stand dabei die Überwindung der sprachlichen Barriere zwischen den beiden unmittelbaren Nachbarn. Dazu gab es eine Reihe von Animationsspielen, bei denen die Judoka aus beiden Ländern sich näher kamen. Beim gemeinsamen Judotraining war man sich dann nicht mehr ganz so fremd wie zu Beginn.

Die Dresdner zeigten den Tschechen ihre schöne Heimat. Gemeinsam wanderten sie von Wehlen zur Festung Königstein, wo die Kinder die Festung erkundeten. Abends gab es dann ein gemeinsames Grillen an der Elbe. Samstags fuhren sie ins Dresdner Zentrum und die Kinder stürmten das Hygienemuseum.

Der Gegenbesuch in Teplice Ende Oktober steht schon fest. Die Hellerauer Jugendlichen freuen sich auf ein Wiedersehen mit den tschechischen Judoka.

Das Projekt „Jugendbegegnung Judo Dresden-Teplice 2018“ wird aus Mitteln der Europäischen Union gefördert.

Kindertagsfest ins Wasser gefallen

„Nicht immer gehen unsere Pläne auf!“ Das haben die 18 Kinder der Stadtteilgruppe HKJuJu in Klotzsche am 1. Juni ganz hautnah erfahren. Die katholische Junge Jugendgruppe wollte für die Kinder in einem Klotzscher Wohngebiet ein Kindertagsfest ausrichten. Dafür hatten sie mit viel Elan ein Glücksrad gebaut, Kuchen gebacken, Preise besorgt und waren alle pünktlich als Helfergruppe erschienen.
Sogar in einheitlichem T-Shirts und mit Erkennungslogo für diesen Tag. Besonders spannend war die gemeinsame Planung mit dem Christlichen Jugenddorfdienst (CJD), der schon viel Erfahrung mit der mobilen Kinder- und Jugendarbeit im Stadtteil Klotzsche hat. Es sollte eine erste gemeinsame Aktion und ein Kennenlernen sein.
Doch es kam anders! Punkt 15 Uhr begann es zu tröpfeln und binnen weniger Minuten stand die Gruppe auf dem „Festplatz“ bis zu den Knöcheln im Wasser.   Der Regen peitschte wie aus Eimern über das Kuchenbufet. Blitz und Donner mahnten zum sofortigen Abbruch der Aktion. Alles fiel ins Wasser! Das war für alle sehr traurig, doch spätestens nach dem Erreichen ihrer rettenden Kapelle und dem Verspeisen der noch brauchbaren Kuchenstücke, war klar, dass die Aktion nachgeholt wird und der Regen auch was Gutes hat.
Danke an alle Beteiligten!

Eine-Welt-Café am Markt eröffnet

von Susanne Berthold & Claudia Hanke

Von nun an wird an Markttagen (Ferien ausgenommen) im Gemeindehaus Alte Post das Eine-Welt-Café geöffnet. Zwischen 9 und 15 Uhr kann man hier Kaffee oder Tee trinken, Waren aus fairem Handel erwerben oder einfach nur sein soeben auf dem Markt erstandenes Mittagessen genießen.

Eröffnung des Eine-Welt-Cafés im Gemeindehaus Alte Post am Donnerstag, dem 3. Mai 2018

Die Idee dahinter ist, einen Treffpunkt für die Menschen im Stadtteil zu  schaffen – für die Marktbesucher und alle, die gerne einen kleinen Schwatz halten oder sich ausruhen wollen. Kaffee und Tee wird kostenfrei ausgegeben, eine kleine Spende ist aber sehr willkommen.

Wer möchte, kann sich natürlich auch gerne selbst einbringen und beim Café-Betrieb mithelfen!

Kontakt: Susanne Berthold und Claudia Hanke über info@klotzsche-blog.de

Wir treffen Annahmen, wie wir unser Leben sehen wollen

Von Michael Drechsler

Die Kirche in Klotzsche… nein, nicht ein bestimmtes Bauwerk, sondern die Institution. Sie ist in Klotzsche doch sehr allgegenwärtig, selbst für mich.

Ich bin Atheist. Schon immer und aus Überzeugung. Na ja, zumindest seit ich erwachsen bin. Dennoch – Kirche und Glauben sind für mich keine „Nichtexistenzen“. Mich interessiert, worin Glaube besteht. Was bedeutet Religion in einer Zeit, in der alles kalkulierbar zu sein scheint, in der, wie Zeitgenossen behaupten oder befürchten, letztendlich Algorithmen unser Leben bestimmen?

Petra Schweizer-Strobel und ich sind mit Olaf Börnert, Jahrgang 73, verabredet. Er ist Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Dresden-Klotzsche. Und somit „vom Fach“. Wir sitzen in seinem Pfarramt und er ist bereit, sich ausfragen zu lassen. Von mir, einem „Heiden“.

Foto: Petra Schweizer-Strobel

Wer ist der Mann, der die Geschicke der evangelischen Gemeinde in Klotzsche lenkt? Wie denkt er über seinen Glauben, die Rolle „seiner“ Kirche?

Mein erster Eindruck: Hier sitzt mir kein Dogmatiker gegenüber. Sondern ein Mensch, der im Leben steht und auch seine Irrwege und Schwierigkeiten kennt.

„Die Entscheidung, als Christ zu leben, ist sehr persönlich!“. Dieser Satz ist prägend für das Gespräch. Er missioniert nicht, er erklärt. Dabei war sein Weg zum Pfarrer nicht vorherbestimmt. Olaf Börnert stammt aus Bernsdorf, einer Kleinstadt zwischen Kamenz und Hoyerswerda. Sicher, er engagierte sich bereits seit seiner Jugend in der Kirche, hatte einen ganz guten Draht zum Pfarrer in seiner Heimatgemeinde. Ob ihm der Glaube auch von seinen Eltern vermittelt wurde, möchte ich wissen.

Dazu Olaf Börnert: „Das ja, schon. Aber als Berufswunsch hatte ich die Theologie gar nicht im Blick. Ich habe zunächst Gärtner gelernt. Meine Eltern hatten eine Baumschule und ich war sozusagen der Kronprinz. Ich sollte das einmal übernehmen. Aber davor hat mich die Wende gerettet. Die kam für mich rechtzeitig. 1989 war ich sechzehn und plötzlich hat sich für mich nochmal alles geöffnet. Ich habe die Berufsausbildung beendet und konnte dann Abitur machen. Vorher wollte ich das gar nicht und wahrscheinlich hätte ich bei meiner familiären Vorprägung gar nicht zur EOS gehen dürfen. Ich habe es also nachgeholt und Gefallen daran gefunden, noch weiter zu machen. Irgendwann stand ich vor der Entscheidung, entweder Theologie oder Landschaftspflege zu studieren. Das eine habe ich gekriegt, das andere nicht – und so sind die Würfel gefallen.“

Manches im Leben ist also schlicht Zufall… Auch als Opposition zum Staat sah er sich nicht, war Mitglied in der FDJ, wobei er auf Ratschlag seiner Eltern darauf achtgab, sich nicht übermäßig zu exponieren. Dienst an der Waffe kam für ihn in der DDR nicht in Frage, er wäre Bausoldat geworden. Auf meine diesbezügliche Frage hin überlegt er kurz und antwortet dann: „Ich hätte den Wehrdienst aus christlich-pazifistischer Überzeugung verweigert.“

Es folgte ein Theologiestudium in Berlin und eine erste Pfarrstelle in der sächsischen Schweiz, in Liebstadt.

„Vierzehn Dörfer, sieben Kirchtürme.“ Ein Handlungsreisender in Sachen Religion, so sieht er diese Zeit heute. Dann nach zehn Jahren der Wechsel nach Klotzsche. Wir kommen zum Kern, zu den Fragen, die mich eigentlich interessieren. Was ist Gott?

„Gott? Ich würde sagen, es ist eine Kraft, die mich im Inneren motiviert, die mich im Inneren prägt, und die mich manchmal in meinem Handeln, meinem Denken, meinem Fühlen bestimmt. Aber es ist nichts, was gegenständlich wird. Für mich ist es manchmal so ähnlich wie mit der Liebe zwischen Menschen. Ich gehe davon aus, dass meine Frau mich liebt, ich lebe so, als ob das so ist, nehme es an, mache meine Erfahrungen damit. Aber die Liebe ein für alle Mal sichtbar machen, sie beweisen, kann ich nicht, sondern ich kann nur darauf vertrauen: Es wird schon so sein, dass sie mich liebt. Dann mache ich meine Erfahrungen mit ihr. Und so sehe ich das auch mit dem Glauben. Und darum heißt es ja auch „Glauben“ und nicht „Wissen“, nicht „Sehen“ oder „dingfest machen“. Ich lebe mit der Hypothese „Gott“ und mache meine Erfahrungen.“ Kein schlechter Vergleich, denke ich. Und welche Rolle spielt die christliche Kirche im realen Leben. Was bestimmt sie, wie beeinflusst sie uns?

Christlicher Glaube habe eine kolossal lebensdienliche Ethik zu bieten, so Olaf Börnert. Er erwähnt den Gewaltverzicht, den Gedanken, dass man selbst nicht immer das Maß aller Dinge ist, sondern eben auch die anderen, mit denen wir zusammenleben. Aber auch: „Diese Sichtweise wird wahrscheinlich nicht von allen geteilt.“ Es gibt da wohl verschiedene Anspruchshaltungen.

Die einen sagen: „Wir müssen über alles die Kontrolle behalten“, die anderen: „Wir müssen alles nur begleiten, den Menschen, die das wünschen, eine Heimat geben.“

Unser Gegenüber meint dazu: „Ja, das sind die beiden Pole, zwischen denen sich das bewegt. Ich persönlich denke, die Entscheidung, als Christ zu leben, ist sehr persönlich. Die Existenzberechtigung der Kirche hängt nicht davon ab, ob wir gesellschaftlichen oder politischen Einfluss haben, ob wir jetzt die Mehrheit hinter uns wissen oder ob wir viele Mitglieder haben. Das ist eigentlich nicht das Anliegen der Kirche. Das Anliegen der Kirche ist das, was uns in der Bibel überliefert worden ist, was wir glauben, was uns wichtig ist, weiterzugeben. Was dann der Einzelne draus macht, entscheidet jeder für sich.“

Er ist sich sicher: „Wir Christen sind Teil der Welt mit ihren Zweideutigkeiten und Unentschiedenheiten!“

Das ist der Blick aufs Große und Ganze. Aber im Kleinen, im Gemeindefokus? Wie sieht er seine Gemeinde?

Vielleicht sei die Kirche in Klotzsche etwas zu selbstgenügsam, sinniert er. Man sei stolz auf das, was man hat und was man ist. Wenn er mit Neuzugezogenen ins Gespräch kommt, bei Taufen etwa, hört er immer wieder Bedauern, dass man als Außenstehender kein Fuß in die Tür bekäme.

„Die, die da sind, sind da, das ist gut, aber man hat jetzt nicht so das Bedürfnis, dass noch andere dazukommen könnten. Man könnte auch mal nach außen und auf andere zugehen. Aber ich habe das Gefühl, seit die Kirchgemeinde während der Ereignisse auf der Karl-Marx-Straße und den Auseinandersetzungen dort etwas mehr in die Öffentlichkeit getreten ist, ändert sich das ein wenig.“

Und das neue Gemeindezentrum, die „Alte Post“? Da wünscht sich Olaf Börnert, dass sie ein kultureller Satellit in Klotzsche werden möge. Eine Begegnungsstätte, die ausdrücklich auch Nichtmitgliedern offensteht. Es ist auch sein Wunsch, dass es mehr Vernetzungen und Kontakte in den Ort hinein gibt.

„Wer kommt, ist herzlich eingeladen, und wer nicht kommt… schade drum.“

Das gesamte Interview können Sie hier lesen.

Auf dem Weg zum Ziel

von Alexandra Starosta

Seit vergangenem Herbst arbeiten Mädchen und Jungen des Hortes der 82. Grundschule an der Entwicklung eines abgewandelten Monopoly-Spieles für ihren Stadtteil. Hintergrund war die Idee, spielerisch mit Kindern zu überlegen, was für ihren Stadtteil wichtig wäre und wie sie ihn sich in Zukunft wünschen. Herausgekommen ist das Spiel DreNoPoli – Dre für Dresden, No für Nord und Poli als Erinnerung an die Grundidee. Allerdings kann man in diesem Spiel keine Schlossallee oder kaufbaren Hotels finden. Stattdessen spielen die Kinder um die Straßen, auf denen sie wohnen, und erwerben Fahrradwege, Skaterbahnen und Spielplätze für ihre Straßen.

Das Drenopoli…

Damit auch andere Kinder mit diesem Spiel vertraut werden und sich damit identifizieren können, ist es jederzeit möglich, die Straßen auszutauschen sowie neu zu gestalten und zu platzieren. Außerdem gibt es neben der Bank noch eine Kindergemeinschaftskasse, in die man einzahlen muss, wenn man beispielsweise mutwillig einen Spielplatz verschmutzt hat oder die finanzielle Unterstützung für den Kauf von Fahrradwegen bereithält.

Noch soll nicht alles verraten werden, aber für die Herstellung des Spieles durch den Buchbinder Ludwig Nowak benötigen wir sowohl finanzielle Unterstützung als auch praktische Hilfe – möglichst aus dem Stadtteil. Ludwig Nowak ist Buchbindermeister und betreibt eine handwerkliche Buchbinderei. Er interessiert sich besonders für Sonderanfertigungen und findet unsere Spielidee sehr spannend. Da er auch für ganz kleine Auflagen ab einem Exemplar zur Verfügung steht, könnte er unsere Idee gut umsetzen; allerdings kostet das Geld. Damit das Spiel am Ende aber auch tatsächlich wie ein richtiges Spiel aussieht, benötigen wir außerdem dringend Menschen, die uns beim Layout helfen können, denn das Spiel muss graphisch in Form gebracht und digitalisiert werden, bevor es in die Buchbinderei gegeben werden kann.

Unser Ziel ist es, das Spiel beispielsweise auf Stadtteil- oder Schulfesten als Hauptgewinn einer Tombola zur Verfügung zu stellen und auch gegen Spende abzugeben. Wer sich vorstellen könnte, uns beim Layout und/oder finanziell zu unterstützen, melde sich bitte im Hort der 82. Grundschule. Sie erreichen uns am besten per Mail (astarosta@dresden.de) oder Telefon (0351/79 59 36 34).

Wir brauchen Ihre Unterstützung jetzt sehr dringend – denn wir sind kurz vor dem Ziel!

 

Geht die Klotzscher Schwimmhalle baden?

Ein Diskussionsabend in Klotzsche am 07.03.2018

von Stephan Krüger

Wer seinen Kindern zu erklären versucht, wie sich das Leben zu Zeiten sowjetischer Besatzung anfühlte, der braucht nur die Königsbrücker Straße stadtwärts zu radeln, spätestens ab der Stauffenbergallee ist auch der letzte 100-prozentige Genosse erleichtert, dass die 89er Wende fast alle anderen schlechten Straßen auf dem Gewissen hat. Seit wie vielen Jahren wird nun über die Sanierung der Königsbrücker Straße diskutiert? Vermutlich sogar schon seit 1945. Fast im Jahrestakt wird aufgerissen und zugeschmiert, alles provisorisch, denn alle sind sich einig: Die Straße ist alternativlos und braucht eine Totalsanierung. Ergebnis aller bisherigen Diskussionen: Der Status quo bleibt erhalten.

Hoffen wir, dass dem Klotzscher Sportkomplex ein ähnliches Schicksal erspart bleibt. Seit dem Bau der Schwimmhalle, der Turnhalle und des Sportplatzes zur Vorbereitung der Olympiade 1936 wurde die Klotzscher Schwimmhalle noch nie grundsaniert. Trotzdem hat sie 80 Jahre durchgehalten, inklusive Turnhalle und Sportplatz.

Schwimmhalle, Turnhalle, und von Wildschweinen umgegrabener Sportplatz

Das könnte bald vorbei sein. Die ehemals bild- und auch heute noch architektonisch schöne Anlage verfällt zusehends, trotz Denkmalschutz. Gleichzeitig steht sie bei den Bürgern so hoch im Kurs, dass die Schwimmhalle fast täglich von 06:30 bis 22:00 Uhr  von Einzelgängern bis Vereinen, von Kindern bis Senioren, von Tauchern, Synchronschwimmern, Wasserballern, Triathleten, Rettungsschwimmern, mithin von Menschen fast jeder Couleur, die schwimmen können oder es lernen wollen, in Anspruch genommen wird.

Am 07.03.2018 hatte die Klotzscher CDU um Christian Hartmann zur Bürgerversammlung mit dem Thema „Schwimmhalle Klotzsche“ geladen.

Podium der Bürgerversammlung am 07.03.2018

Bürgermeister Dr. Peter Lames (SPD) begann mit einem Vortrag über die „Bäderkonzeption im Zusammenhang“ und warb für Verständnis dafür, dass die Stadt Dresden die Interessen ALLER Bürger im Blick behalten müsse, was im Einzelfall bedeuten könne, lokale Privilegien wie eine örtliche Schwimmhalle nicht in jedem Fall dauerhaft erhalten zu können. Für die Klotzscher Schwimmhalle gäbe es eine unbedingte und unbefristete Betriebserlaubnis, diese würde sicherstellen, dass das Klotzscher Schwimmbad solange zur Verfügung stände, bis ein Neubau – wo auch immer – errichtet worden ist. Die Bäder GmbH bekäme ihre Mittel aus den Erträgen der Technischen Werke der Stadt Dresden. Damit belasteten die Bäder nicht den Haushalt der Stadt, vielmehr finanzierten die Bürger die Bäder über ihre Zahlungen an die Stadtwerke. Pro Jahr sei ein Zuschuss von ca. 9 Millionen Euro für den Bäderbetrieb in Dresden erforderlich. Da diese Mittel steuerrechtlich nicht den Einkünften der Stadtwerke entnommen würden, fiele auch keine Kapitalertragssteuer an.

Lames führte zwei Randbedingungen an, die bei einer neu zu errichtenden Schwimmhalle zu beachten seien:

  1. Die Optimierung der Betriebsverhältnisse: Dazu gehöre, die Schwimmhalle an eine Stelle zu setzen, an der sie von vielen Menschen gut zu erreichen sei.
  2. Die Fläche, auf der sich die Schwimmhalle heute in Klotzsche befindet, sei ein Gewerbegebiet, das wachsen solle. Diese Fläche müsse langfristig für die Expansion örtlicher Unternehmen zur Verfügung stehen.

Lames betonte, nicht nur für die Schwimmhalle, auch für die Turnhalle sei ein Ersatzbau erforderlich, für den ebenfalls eine Ausgleichsfläche gesucht werde.

Der Chef der Dresdner Bäder GmbH Matthias Waurick lieferte weitere Informationen:

Die Schwimmhalle Klotzsche verfüge über 312 m² Wasserfläche. Ganz Dresden habe knapp 5.000 m² Wasserfläche, das seien ungefähr 111 Einwohnern pro m². Im Vergleich mit den anderen acht deutschen Städten mit Einwohnerzahlen zwischen 500.000 und 600.000 Einwohnern sei Dresden dabei Schlusslicht. Dresden weise hier einen Mehrbedarf von ca. 1100 m² Schwimmhallen-Wasserfläche aus. Das entspräche einer zusätzlichen großen 50 m – Schwimmhalle. Um Kosten zu sparen, wäre deshalb eine große Schwimmhalle mit 800-900m² Fläche – Waurick nannte sie „kompakte Schwimmhalle“ – wünschenswert. Damit sich diese große Schwimmhalle rentiere, müsse das Einzugsgebiet dieser Schwimmhalle deutlich vergrößert werden. Das gelänge nur durch einen Standort, der stadtnäher als Klotzsche sei und beispielsweise in Pieschen läge. Nach Wauricks Rechnung erreiche die Klotzscher Schwimmhalle derzeit ein Einzugsgebiet von ca. 70.000 Einwohnern, während ein neuer Standort in Stadtnähe bis zu 140.000 Einwohnern erreichen könne. Waurick zählte auf, wie er sich eine „kompakte Schwimmhalle“ vorstelle: 25 Meter à 6 Bahnen, Lehrschwimmbecken, Mehrzweckbecken, variabler Boden, so dass auch Tauchen oder – anderes Extrem – „Senioren-Stehen“ möglich seien. Spezifische Nutzer seien das Schulverwaltungsamt, Vereine, Wasserballer, Synchronschwimmer, Taucher, Einzelpersonen jeglichen Alters sowie Kinder- und Aquafitnessgruppen Die Kosten für eine kompakte Schwimmhalle (800-900 m²)  betrügen nur 2/3 der Kosten von vier kleinen Schwimmhallen (4 x 300 m² = 1200 m²). Der Zeitrahmen für derartige Investitionsbauten betrage ungefähr vier Jahre ab Grunderwerb: zwei Jahre Vorbereitung, Planung, Genehmigung und zwei Jahre Bau. Die derzeit in Planung und Bau befindlichen Schwimmhallen an der Freiberger Straße sowie in Prohlis würden bis 2019 bzw. 2022 fertiggestellt sein, danach könnte der Bau der neuen Schwimmhalle im Dresdener Norden beginnen. Zugabe: Der Freistaat würde den Neubau vermutlich unterstützen.

Nach Bäder–Chef Waurick sprach der stellvertretende Vorsitzende des Schwimmvereins Weixdorf Steffen Herzog.

Der Klotzscher Sportkomplex, begann Herzog seine Rede, sei eine einmalige Kombination aus Schwimmhalle, Sporthalle und Sportplatz. 14 Schulen von der Grundschule bis zum Gymnasium nutzten die Schwimmhalle. Nachmittags und abends gäbe es öffentliches Schwimmen. Zwei Schwimmvereine mit Sportschwimmen nutzten die Halle, die Schwimmer kämen aus der ganzen Stadt. Beide Vereine hätten um die 500 Mitglieder zwischen 5 und 90 Jahren. 25 lizensierte Trainer würden erfolgreich ausbilden, u. a. auch Rettungsschwimmer, die an vielen Stellen in unserer Gesellschaft gebraucht würden. Die Trainerausbildung dauere 3 Jahre und jeder Trainer müsse die Wettkampfrichterausbildung abschließen. Vereine widmeten sich der Schwimmausbildung, Ziel der Ausbildung sei nicht nur die Schwimmausbildung, sondern es ginge auch um die Talententwicklung und die sich anschließende Ausbildung an Sportgymnasien und Sporthochschulen. Der Talentestützpunkt Weixdorfer Schwimmverein wurde erst kürzlich als Talentschule ausgezeichnet. Äußerst geschickt geplant (Olympiade 1936) sei die Paarung aus Schwimmhalle, Turnhalle und Sportplatz hinsichtlich der athletischen Ausbildung der Schwimmer. Es gäbe sogar eine Reihe Vereine, die aufgrund lokaler Baumaßnahmen wie aktuell in der Freiberger Straße nach Klotzsche ausgelagert worden seien. Ein weiterer Pluspunkt sei die hervorragende Erreichbarkeit der Schwimmhalle für Menschen aus der Region jenseits der Stadt und die im Vergleich zu anderen Dresdner Schwimmhallen sehr guten Parkmöglichkeiten. Sollte es zur Schließung der Klotzscher Schwimmhalle kommen, erwarte der Schwimmverband, durch den Umzug Verluste bei der Ausbildung bei Kindern von bis zu 70%.

Teil der Turnhalle

Herzogs Verteidigungsrede löste großen Beifall aus.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion wurden von den über 100 anwesenden Bürgern Fragen an das Podium gestellt, Meinungen getauscht und philosophiert.

Themen waren die lokale Identifikation als Heimat, die Entschleunigung, die man in Klotzsche im Vergleich zur rastlosen Stadt im Tal erleben kann, kinderreiche Familien, die von einer lokalen Schwimmhalle profitierten, lange oder kurze Wege für die Bürger, die vielen leerstehenden Industrieflächen, die das Argument, das Gelände der Schwimmhalle sei für die Industrie erforderlich, schwach aussehen ließen, bis hin zum Argument, in einer Gesellschaft, in der Werte und Normen schleichend verloren gingen, wäre es insbesondere für unsere Kinder wichtig, sie von den Computern, Handys oder der Straße wegzuholen und sie stattdessen mit praktischen Befähigungen wie Schwimmen und Mannschaftsgeist auszustatten und ihre Gesundheit zu festigen.

Hoffen wir, dass die Botschaften bei den Entscheidern angekommen sind. Zustände wie bei der Königsbrücker Straße möchte keiner. Der Wunsch der Bürger ist an diesem Abend eindeutig:

Die Klotzscher Schwimmhalle soll saniert werden und erhalten bleiben.

Einige Fragen blieben meines Erachtens jedoch offen:

– Unterstützt der Freistaat ausschließlich einen Neubau oder würde er auch die Sanierung der bestehenden Klotzscher Schwimmhalle mitfinanzieren?

– Warum geht Bäder-Chef Waurick in seiner Vergleichsrechnung von vier kleinen Schwimmhallen aus? Vergliche man die Kosten einer zentral gelegenen Kompakt-Schwimmhalle mit nur drei (statt vier) dezentralen kleinen Schwimmhallen (3 x 300m² = 900m²), lägen die Kosten vermutlich nicht mehr so weit, wie von Waurick angeführt, auseinander und mehrere Stadteile könnten mit eigenen Schwimmhallen beglückt werden. Eine dieser drei Schwimmhallen – eventuell die am zentralsten gelegene – könnte ja  trotzdem durchaus mit einem Mehrzweckbecken versehen werden, um die spezifischen Wünsche von Senioren und Tauchern zu erfüllen.

Antworten zu diesen und weiteren Fragen werden gegebenenfalls nachgereicht.

(nach Absprache gekürzt)

Links:

Schwimmhalle Klotzsche

Der Dresdner Norden braucht eine neue Schwimmhalle (DNN)

Streit um Dresdens Bäder (Sächsische Zeitung)

Sachspenden an junge Menschen zu verschenken

Ab sofort können sich junge Menschen jeden Dienstag zu unserer Kontaktzeit von 13-18:30 Uhr Sachspenden (Süßigkeiten, Lebensmittel, Drogerieartikel etc.) abholen. Um was es sich genau handelt, könnt ihr auf unserer Facebook- oder Internetseite nachschauen. (www.molang.de)
Sophia Burudshiew, Stefanie Liefeith, Rafael Zönnchen
Mobile Jugendarbeit Dresden Nord des Stadtjugendring Dresden e.V.
Königsbrücker Landstraße 59,
01109 Dresden
www.molang.de
Mobil: 0173-7468652 (Sophia Burudshiew)
01590-4594842(Stefanie Liefeith)
01590-4318273(Rafael Zönnchen)
mobils@sjr-dresden.de