Auch eine Kulturhauptstadt hat Stadtteile

Dresden soll 2025 Kulturhauptstadt Europas werden. Um dafür zu werben, tourt Annekatrin Klepsch, Dresdens Bürgermeisterin für Kultur und Tourismus, durch die sächsische Landeshauptstadt. Am 9.3. machte der Wanderzirkus – O-Ton Klepsch – Station im Dresdner Norden. „Bürgerforum zur stadteilbezogenen Kulturarbeit in Klotzsche-Hellerau“, so der etwas sperrige offizielle Titel der Veranstaltung in der Hellerauer Waldschänke.

Annekatrin Klepsch bei der Begrüßung

Gemeinsam mit Ortsamtsleiter Christian Wintrich, dem Leiter des Amtes für Kultur und Denkmalschutz Manfred Wiemer sowie dem Leiter des Kulturhauptstadtbüros Stephan Hoffmann waren die Bürger des Dresdner Nordens aufgefordert, über Kultur zu diskutieren. Und eben nicht über die Hochkultur. Nicht über Semperoper, Schauspielhaus, Frauenkirche oder das europäische Zentrum der Künste Hellerau. Nein, es sollte um die Basis gehen, um die Kultur im Stadtteil und um Stadtteilkultur als Form des Zusammenlebens. Was wollen die Bürger, was haben sie schon, was wünschen sie sich? Nach einem doch eher etwas trockenem und für die Akteure vor Ort kaum neue Erkenntnisse bringendes „Impulsreferat“ von Anne Pallas vom Landesverband Soziokultur Sachsen e.V. über die Definition von Stadtteilkultur gab es dann tatsächlich Diskussion zwischen den ca. fünfzig Anwesenden. In kleinen Gruppen von ungefähr 10-12 Personen wurde über Vorhandes, Wünschenswertes und Machbares, über Mangel und Visionen gesprochen.

Einzelrunden

Es zeigte sich, dass der Dresdener Norden kulturell doch nicht so dröge ist, wie es manchmal scheint. Es existieren unzählige Projekte, Vereine und Initiativen, die sind mit den unterschiedlichsten Aspekten eben dieser Stadtteilkultur befassen. Es gibt sie, die Stadteilrunde Nord, die Volkssolidarität, den Klotzscher Verein, die Hellerauer Bürgerschaft, die Initiative „Brücken schaffen“, die Kirchgemeinden, die Sportvereine, den Waldschänkenverein, die mobile Jugendarbeit und viele mehr, die unsere Stadtteilkultur prägen. Und es gibt als kulturellen „Leuchtturm“ im Dresdner Norden das europäische Zentrum der Künste im Festspielhaus Hellerau, mit dem Golgipark.

Bestandsaufnahme

Es wurde aber auch deutlich, dass dies alles Inseln zu sein scheinen, die kaum oder sehr wenig miteinander vernetzt sind. Dies war auch Thema der anschließenden gemeinsamen Diskussion aller Gruppen, die von Stephan Hoffmann moderiert wurde.

Moderation

Die Antwort auf die Frage, welche Kultur den Dresdner Norden künftig prägen soll, bestand nicht nur in einer Aufzählung von konkreten Events, die man gern hätte. Die gab es selbstverständlich auch. Aber Konsens bestand wohl darin, dass die Vernetzung und die Rahmenbedingung für die Kulturarbeit in Klotzsche und Hellerau verbessert werden müssen. Stichworte waren hier Bürgerbüro, Stadtteilmanagement und Internetplattform zum Informationsaustausch. Außerdem fehlt es offenbar auch an bezahlbaren räumlichen Möglichkeiten, um sich zu treffen und Kulturprojekte gemeinsam zu gestalten. Auch Objekte wie die Waldschänke, die ja prädestiniert sind, diese Funktion zu erfüllen, müssen ihre Betriebskosten erwirtschaften und können ihre Räumlichkeiten nicht kostenlos zur Verfügung stellen.

Resultate

Alles in allem ein sehr interessanter Abend, der gemütlich bei Bier, Brezeln und vielen interessanten Einzelgesprächen ausklang. Das Thema Kulturhauptstadt Dresden war am Ende keines mehr. Es ging wirklich um uns, um unseren Stadtteil. Wünschenswert wäre allerdings noch ein breiteres Publikum gewesen. Christian Wintrich, der Klotzscher Ortsamtsleiter brachte es auf den Punkt: „Es ist ein wenig schade, dass man bei solchen Anlässen doch immer nur bekannte Gesichter sieht.“

Dennoch, die Diskussionen haben gezeigt, dass es Rede- und Handlungsbedarf gibt. Der Dresdner Norden sollte nicht zu einer reinen „Schlafstadt“ werden, was vereinzelt befürchtet wird.

 

Michael Drechsler

März 2017

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