Tag des offenen Friedhofs auf dem Alten Friedhof in Klotzsche

von Petra Schweizer-Strobel

Den Sonntag auf dem Friedhof verbringen? Weshalb nicht! Friedhöfe sind nicht nur Orte der Trauer und des kummervollen Verweilens, viele haben vielmehr einen ausgeprägten parkähnlichen Charakter und laden nicht nur zu bau- und kunstgeschichtlichen Erkundungen und zum Botanisieren, sondern auch zur Erholung ein.

Oft sorgen alte Baumbestände wie auf dem Alten Friedhof in Klotzsche für viel Schatten auf den Bänken – weshalb sich daher im Sommer hier nicht mit einem Buch niederlassen und die Ruhe und Kühle genießen? Am heutigen Sonntag lud die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde Dresden-Klotzsche, zu deren Liegenschaften die beiden Friedhöfe in Klotzsche gehören, anlässlich des Tags des Friedhofes auf den Alten Friedhof ein, der 1886 eröffnet wurde und in den letzten Jahren durch mehrere Umgestaltungsmaßnahmen ertüchtigt wurde. Neue Wege wurden angelegt, Tore erneuert, Gebäude renoviert. Eine Extremwetterlage im Juli hatte dann noch einmal für einen kleinen Rückschlag gesorgt, aber nun ist doch noch alles rechtzeitig zum Tag des offenen Friedhofs fertiggeworden, wenngleich auch noch immer einige Maßnahmen ausstehen. So sind beispielsweise zwar die Wege barrierefrei ausgebaut worden, doch leider fehlt noch immer eine behindertengerechte Toilettenanlage. Auch müssen noch einige Wasserleitungen auf dem Friedhofsgelände erneuert werden, da die alten Rohre bereits an verschiedenen Stellen durchgerostet sind und lecken.

Friedhofsverwalter David Wegner erklärt die Baumaßnahmen auf dem Alten Friedhof in Klotzsche

All das erklärte Friedhofsverwalter David Wegner – von Haus aus Steinmetz mit viel Erfahrung mit der Sanierung von Baudenkmälern – mit großer Leidenschaft und Liebe zum Detail der doch beträchtlichen Gruppe von Interessierten, die trotz der für einen Sonntag frühen Stunde bereits um 9 Uhr zur Führung erschienen waren.

Trotz der für einen Sonntag frühen Stunde fanden sich einige Interessierte zur Führung ein

Im Anschluss übernahm Johannes Lehmann, Friedhofsverwalter a. D., der die Klotzscher Friedhöfe über Jahrzehnte betreut hat und sowohl ihre Geschichte als auch ihre Gräber – sowohl die noch vorhandenen als auch die vergangenen – wohl am besten kennt, die Gruppe und erkundete mit ihr das Areal. Durch die Nähe zu Hellerau sind hier viele interessante Grabanlagen von Künstlern und wohlhabenden Bürgern zu besichtigen.

Die momentan schmucklose terrassierte Grabanlage des Literaturnobelpreisträgers Karl Gjellerup

Selbst ein Nobelpreisträger hat hier seine letzte Ruhestätte gefunden, der dänische Literaturnobelpreisträger Karl Gjellerup, dessen 100. Todestag am 11. Oktober begangen werden wird. Bis dahin hat David Wegner noch viel zu tun: Der Vorplatz seines Grabes, das über lange Zeit als Grablege für Urnenbeisetzungen genutzt wurde, soll bis dahin wieder erkennbarer Teil des Grabdenkmals Karl Gjellerups werden. Auch das Grabmal selbst soll dank finanzieller Hilfe des Klotzscher Vereins e. V. professionell gereinigt und ausgebessert werden.

Im Anschluss an die Führung gab der Possaunenchor der Gemeinde unter der Leitung des früheren Kantors Reiner Krauthöfer auf dem Friedhof noch ein Bläserkonzert. Zum Ausklang war dann noch Gelegenheit, bei Kaffee und Kuchen beisammenzusitzen, sich zu unterhalten und diesen herrlichen spätsommerlichen Tag im Schatten der Bäume ausführlich zu genießen.

Weitere Impressionen:

Der Weg zur Kapelle
Blick vom stark abschüssigen Gelände des Friedhofs nach Hellerau
Mancherorts sorgen Hecken für eine stärkere Gliederung des Areals
Der Weg führt vom Tor am Verwaltungsgebäude vorbei zur Kapelle
Diese Schubkarre war noch in den 6oer Jahren auf dem neuen Friedhof in Gebrauch
Friedhof mit parkähnlichem Charakter

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