Alle Beiträge von micha

Erster Ansprechpartner für die Klotzscher/-innen

Wir sind zu Besuch bei Christian Wintrich, dem Ortsamtsleiter von Klotzsche und Pieschen. Wir wollen wissen, wer Christian Wintrich ist, wo er herkommt und was ihn bewegt.

Christian Wintrich (62), erlernte den Beruf eines Chemielaboranten und studierte dann Maschinenbau. Zur Verwaltung kam er nach 1989, als im Zuge der politischen Veränderungen auch Quereinsteiger begannen, Verantwortung in der Verwaltung zu übernehmen. „Es war eine ganz tolle und aufregende Zeit. Wir alle waren euphorisch, wollten etwas bewegen und manches verändern. Es hat mir richtig Spaß gemacht.“ In seiner Stimme schwingt immer noch Begeisterung mit. Auch nach so langer Zeit.

Im Jahr 2010 kam er ins Ortsamt Klotzsche. Zunächst als Stellvertreter des Ortsamtsleiters, dann seit 2014 als Chef. Vorher musste er allerdings – so ist das übliche Procedere – den Ortsbeirat davon überzeugen, dass er der Richtige für diesen Posten ist. Die Entscheidung fällt zwar am Ende der Stadtrat, aber das Votum des Ortsbeirates ist wichtig. „Wie haben Sie den Klotzscher Ortbeirat überzeugt?“ Auf meine Frage hin schaut unser Gegenüber zunächst etwas überrascht:

„Eigentlich müssten das diejenigen beantworten, die das damals entschieden haben. Ich denke, es war eine Mischung aus der Bewertung meiner vorherigen Arbeit und der Anerkennung meiner langjährigen Erfahrung“, kommt die zögerliche aber bestimmte Antwort. Es ist ihm gelungen – und zu Beginn geriet er sogleich in eine äußerst turbulente Phase.

„Ja, 2014 – das war schon keine einfache Situation.“, spricht er weiter. Es waren diese dramatischen Stunden, als die Emotionen wegen des geplanten Flüchtlingsheims auf der Karl-Marx-Straße hoch kochten. Als sich die Gegner und Befürworter vor dem Rathaus gegenüberstanden und lautstark ihre Meinung äußerten.

Wenn sich Christian Wintrich daran erinnert, spürt man seine Bewegung noch heute.

„Vor dem Haus standen die Menschen und demonstrierten und gaben lautstark Ihre Meinung kund. Wir haben zeitgleich im Ortsbeirat über das Thema beraten. Obwohl die Entscheidung am Ende der Stadtrat treffen musste, wollten die Klotzscher/-innen, dass wir uns hier klar positionieren. Das war wirklich schwierig.“  Christian Wintrich gibt ehrlich zu, dass er von der Heftigkeit dieser Kontroversen überrascht war.

Wie er denn einen typischen Klotzscher sieht, wollen wir wissen. Er denkt nach, spricht bedächtig: „Bis zu diesem Tag im Jahr 2014 dachte ich, es gibt hier wenige Konflikte, es läuft alles sehr geordnet ab. Die Meisten sind mit ihrem Stadtteil und dem, was sie umgibt, zufrieden. So dachte ich und so war ich eingestellt.“ Klotzsche habe sich als sehr konservatives und sehr bürgerliches Viertel gezeigt.

„Klotzsche kann man von den Emotionen der Einwohner schon mit einer Kleinstadt vergleichen. Ich habe den Eindruck, dass es mitunter schwer ist, als Zugezogener die volle Anerkennung der Alteingesessenen zu erlangen. Man wird zunächst als der Neue wahrgenommen und es wird kritisch auf die Dinge geschaut, die man macht. Es braucht eben seine Zeit, bis man akzeptiert wird. Ähnlich ist es mit Veränderungen, die den Stadtteil betreffen. Auch hier wird kritisch hinterfragt, was sich verändert. Ich sehe das aber eher als positive Eigenschaft der Klotzscher/-innen“.

Weitere Eigenschaften des Stadtteils aus seiner Sicht: „Es gibt sehr viele interessierte und ihrem Stadtteil zugewandte Menschen, für die die Historie des Ortes immer noch eine große Rolle spielt. Man sieht es an der Resonanz, wenn zu geschichtlichen Themen Vorträge oder Lesungen organisiert werden“.

Man merkt, Christian Wintrich ist in Klotzsche angekommen und kann sich mit dem Stadtteil und den Menschen hier identifizieren.

Wie sieht er seine Aufgaben?

„Ich bin der erste Ansprechpartner für die Klotzscher/-innen.“ Er stutzt kurz, als ihm dieser Satz entfährt. „Kann man das so sagen?“, schließt sich die Frage an, mehr zu sich selbst gestellt. Um gleich die Antwort zu geben: „Ja, ich denke schon!“ Er lacht. Er ist personell zuständig für die Mitarbeiter des Ortsamtes, leitet die Sitzungen des Ortsbeirates und ist in erster Linie Anlaufstelle für Probleme und Sorgen der Einwohner/-innen.

Welche Dinge stehen noch an, was möchte er in Klotzsche noch bewegen? Was sind die vordringlichsten Aufgaben?

Die Weiterentwicklung des Stadtteils durch die Erschließung neuer Baugebiete. „Wir haben sehr viele Anfragen, von Leuten, die gern nach Klotzsche ziehen würden – leider fehlt uns dafür zunehmend der Platz“. Auch die Infrastruktur ist ein großes Thema. „Klotzsche wächst durch Zuzug und neue Industrieansiedlungen. Die Menschen wollen aber auch schnell von A nach B kommen. Deshalb steht in Zukunft auch der zweigleisige Ausbau der Bahnlinie 7 in Klotzsche an“.

Ein weiteres Thema ist die Schwimmhalle. „Die jetzige Schwimmhalle ist strategisch ungünstig gelegen und in keinem sehr attraktiven Zustand. Eine Sanierung oder ein Neubau an einer anderen Stelle ist ein Wunsch von vielen Klotzscher/-innen. Es bestehen auch Wünsche und Ideen für ein Bürgerhaus oder eine Begegnungsstätte – doch bis dahin wird noch etwas Zeit vergehen“. Klotzsche entwickelt sich, einiges geht schnell, anderes braucht Zeit – Christian Wintrich ist optimistisch, dass sich viele Dinge realisieren lassen, wenn die Klotzscher/-innen sich auch weiterhin so gut für ihren Stadtteil engagieren wie bisher.

Menschen in Klotzsche: Die Schriftstellerin Jayne-Ann Igel

Jayne-Ann Igel in ihrem Arbeitszimmer

Wer viel im Dresdner Norden unterwegs ist, dürfte ihr immer wieder begegnen: Jayne-Ann Igel erkundet Klotzsche und seine Umgebung nahezu täglich, sommers wie winters, bei gutem und schlechtem Wetter, zumeist mit Fahrrad und Kamera. Die Wahl-Klotzscherin wurde 1954 in Leipzig geboren und wuchs mit Blick auf eine Haftanstalt, in der ihr Vater arbeitete, in einer staatstreuen Familie auf. Als Kind etwas kränklich und nicht zuletzt bereits dadurch anders als andere Kinder, fand sie schon früh zur Literatur und zum Schreiben. Der Versuch, bereits zu ihrer Schulzeit die Deutsche Bücherei in Leipzig zu nutzen, wurde zwar abschlägig beschieden, nicht jedoch ohne den Hinweis, dass Minderjährigen in dieser Institution trotzdem eine Ausbildung offenstände. Also erlernte sie dort den Beruf einer Bibliotheksfacharbeiterin und erhielt damit – und das gehörte mit zum Ersten, was sie mir zu Beginn unserer langen Gespräche mit einem verschmitzt-glücklichen Lächeln erzählte – den „Schlüssel des Glücks“ und mit ihm Zugang zu allen Büchern, die in der Deutschen Bücherei inventarisiert wurden, also auch zu jenen, die nur sehr beschränkt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten. Später begann sie ein Theologie-Studium – und am selben Tag ernsthaft mit dem Schreiben. Während in jugendlichen Jahren zunächst Texte entstanden waren, die von fernen, fremden Welten handelten, ging es jetzt um Erkundungen, um die eigene Wahrnehmung, das persönliche Umfeld, die eigene Kindheit und Jugend, Nachtträume und Selbstverortung. Das Studium brach sie kurz vor dem Abschluss ab, um sich ganz dem Schreiben widmen zu können. Sie bewegte sich – wohl ebenso leise und zurückhaltend, wie es noch heute ihre Art ist – in der, wie es Wolfgang Hilbig einmal nannte, „Küchen- und Korridor-Szene“ Leipziger Künstlerkreise und wurde lange von offiziellen Verlagen nicht veröffentlicht. Erst ab der Mitte der 80er Jahre erschienen erste einzelne Gedichte in Zeitschriften und Anthologien in Ost und West. Im Wendejahr 1989 – für Jayne-Ann Igel ein Wendejahr in vielerlei Hinsicht – dann gleich zwei eigene Gedichtbände, zum einen im S. Fischer Verlag Frankfurt am Main, zum anderen in der Reihe Poesiealbum beim Verlag Neues Leben Berlin (Ost). Noch unter dem Eindruck der Montagsdemonstration vom 9. Oktober in Leipzig, an der auch sie teilgenommen hatte, fuhr sie wenige Tage später auf Einladung ihres westdeutschen Verlages erstmals in den Westen, zur Buchmesse nach Frankfurt. Die Genehmigung zu dieser Reise erhielt sie erst in letzter Minute, so dass sie nicht einmal mehr packen konnte und von ihrem Buchhonorar zunächst einmal Kleidung kaufen musste. Irgendwie irreal sei das alles damals gewesen, erzählt sie heute.

Ihre Textformen sind insbesondere Lyrik, lyrische Prosa und Prosaminiaturen. Außerdem schreibt sie seit 1981 Tagebücher, die angesichts ihres täglichen Schreibpensums bereits mehrere Schubladen und Regalfächer füllen, trotz kleinster Schrift. In ihnen notiert sie ihre Nachtträume, mit denen sie sich schon sehr lange intensiv auseinandersetzt, und alle anderen Begebenheiten und Gedanken, die sie beschäftigen. Oft sind diese Notate die Keimzellen für andere Texte. Außerdem ist sie gemeinsam mit Jan Kuhlbrodt Herausgeberin der Reihe Neue Lyrik, die in Kooperation mit der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen im Poetenladen erscheint.

Jayne-Ann Igel ist eine Beobachterin, eine, die auch den kleinsten Details ihre Aufmerksamkeit schenkt und Bedeutung beimisst, Details, die die meisten Menschen wohl übersehen: Schnecken, Fugen, Unkraut, Geländeformationen, Strukturen, Bäume, Schichtungen. Das schlägt sich auch in ihren Fotos nieder: drei Pappeln auf einem von Baggerspuren aufgerissenen und öd gefallenen Gelände, Bauerwartungsland; Laternenpfähle, die „ihre Hälse recken“; Baumgerippe; dreckige Wasserlachen in ausgefahrenen Feldwegen. Vieles wirkt auf den ersten Blick vielleicht düster, dunkel und schwermütig. Aber ich empfinde das nicht. Jayne-Ann Igel schärft unsere Wahrnehmung und lenkt sie wieder zurück auf das Wesentliche, weg von der Vormacht des Makellosen, Glatten, Perfekten und hin zur Realität – die zumeist eben mitnichten makellos, glatt und perfekt ist, aber deswegen auch noch lange nicht düster und hoffnungslos.

Mich nimmt ihr Schreiben gefangen! Es ist keine leichte Literatur, keine konsumierbare, gefällige, keine, die man nebenbei liest. Ja, man wird sie wohl „anspruchsvoll“ nennen müssen, es ist eine, die ihren Leser fordert und ihn auf sich selbst zurückwirft. Bei der Lektüre wurde ich mit vielen Gedanken und Gefühlen konfrontiert, die im tiefsten Inneren auch meine eigenen waren, mir im Alltag jedoch abhandengekommen sind. Das kann aufwühlen, keine Frage! Aber für mich ist es genau das, was ich von Literatur erwarte.

Nach Klotzsche hat Jayne-Ann Igel die Liebe verschlagen. Sie lebt und schreibt unter dem Dach einer Altbauwohnung im Villenviertel von Königswald mit Blick in hohe, alte immergrüne Kiefern.

Am kommenden Sonntag liest Jayne-Ann Igel zur Eröffnung des 3. Klotzscher Bücherbasars und der Literaturwoche im Gemeindehaus Alte Post aus ihren Miniaturen.

Petra Schweizer-Strobel

 

Neuere Publikationen von Jayne-Ann Igel:

Traumwache. Urs Engeler Editor, Basel 2006.

Berliner Tatsachen. Urs Engeler Editor, Basel 2009.

Vor dem Licht / Umtriebe (Reihe Staben). Gutleut Verlag, Frankfurt/Main 2014.

Schattenlicht. In: Peter Engstler/dirc frölic/Jayne-Ann Igel/Lilly Jäckl/Urs Jeggi/Jochen Schneiper, Das fünfte Schock. Prenzlauer Berg Collection, Vol. 3, Berlin 2016, 31-41.

Außerdem schreibt Jayne-Ann Igel einen Blog: https://umtriebe.wordpress.com/

 

Aus ihrer Werkstatt:

Einholen

nur von zahlen geträumt, ziffern, auf- und absteigenden, nein, nicht von der börse, nicht mal der geldbörse, geldwerten leistungen oder beträgen, vom simplen einmaleins des habens oder nicht-seins, nur von ziffern, zahlen, die sich zu ketten gereiht, als ginge es um eine treibjagd, eine auf das abgetriebene ich, und zählten darauf, dass es sich ein-, wenn nicht gar überholte …

 

Nächtliche Fahrt

jener bursche in der bahn, etwa sieben jahre alt, dicke brillengläser, den ich im schwarz hinterlegten spiegel des fensterglases erblickte – ich musste immer wieder hinschauen, zu diesem jungen, der etwas unbeholfen in seinen bewegungen wirkte, dazu auch überdreht – die  lange fahrt nach k. hoch redete er auf seine mutter ein, insistierte auf etwas, das sie nach ihrer ankunft zu hause unbedingt tun wollten, ja sollten, es hörte sich so an, als machte er einen vorschlag, verpackt in einen fragesatz, dessen gegenstand kaum variierte und den er nach kurzen pausen wiederholte – es steckte soviel an erwartung darin, dass ich davon ganz eingenommen war, während die mutter nicht darauf einzugehen schien – es war, als hinge seine existenz davon ab, dieses mögliche, vor ihnen liegende immer von neuem zur sprache zu bringen, es zu fixieren, und es erweckte den eindruck, als gedachte er seine mutter so zu trösten, doch die zeigte sich zunehmend peinlich berührt, versuchte ihn zum schweigen zu bringen, in dieser bahn, in der das größere schweigen schon einzug gehalten, und ich stierte in die schwärze des glases, in diese nicht zu leerende finsternis mit dem abbild des jungen, der schwarz geränderten brille, die mich an irgendjemand erinnerte; dann verließ ich den wagen und sah sie auf ihrem doppelsitz, der tür halb zugewandt, miteinander ringen …

 

Hinter glas

es ist ein fremdes, verlorenes dieser tage, allein das fotografieren funktioniert noch und zeitigt bilder, die ich lang anschauen mag; auf dem display erscheinen sie wie gerahmt, hinter glas, berührbar und doch entrückt, entzogen, darin die widerspiegelungen dessen, was sich in ihm bricht, widerspricht …

 

Legenden

schnecken morgens, im gewerbegebiet nord, die sich vor dem verblinden retten, auf den weg, diesen formsteingefügten, wo die triebe schon zwischen den fugen, die ränder unkenntlich geworden, überwuchert von orden unkrauts, von gräsern aus zeiten, als jegliches gewächs noch einen namen hatte, jede geländewölbung, jedes geräusch, der hundert- und xste feldrain auch, eine legende –

 

Schönschrift der Ordnung

der tröstung landschaft – die zeile kam mir, als ich das gelände des fontane centers passierte, dieser mehrwert-deponie, in der die bäume, in reihe und von gleich hohem wuchs, eine art schönschrift der ordnung darstellen, der zuteilung und anmutung …

Ich rap mir die Welt wie sie mir gefällt…

Dass auch junge Menschen gesellschaftliche Mitverantwortung tragen und partizipativ gefördert werden sollten, ist nicht immer selbstverständlich. Aus diesem Grund haben sich vom 04.10. bis 06.10.2017 junge Menschen, die im Dresdner Norden wohnen bzw. gewohnt haben, mit den Themen Flucht, Aufwachsen sowie deren Bedürfnissen auseinander gesetzt. Der Workshop wurde von dem Dresdner Rapper Jan Baumann alias T. Wonder in den Räumlichkeiten von Mobils- Mobile Jugendarbeit Dresden Nord durchgeführt. Der entstandene Song wurde am 04.11.2017 beim 2. Beteiligungsworkshop vor den Bürger und Bürgerinnen, sowie den Vertreter*innen der zuständigen Ämter vorgestellt. An den Wünschen die in dem Song genannt werden, arbeiten wir weiterhin dran und werden in regelmäßigen Abständen berichten.

 

Für weitere Fragen: mobils@sjr-dresden.de

Link zum Video: https://www.facebook.com/mobilsjugendarbeit/videos/679496332259794/

Es tut sich was im Dresdner Norden. – Doch noch nicht genug!

Unter diesem Titel fand am Dienstag, dem 12. Dezember 2017 ein Pressefrühstück in den Räumen der mobilen Jugendarbeit „Mobils“ in Dresden Klotzsche statt.

Eingeladen hatte die Stadtteilrunde Nord, der Elternrat Dresden Nord, sowie die neue Initiative „Gemeinsam Verantwortung tragen“.

Die Veranstalter wollen die Ergebnisse der 2. Ideenwerkstatt Dresden Nord einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen und sind sehr zufrieden mit dem Interesse der Medien, die folgende Anliegen mitgenommen haben:

– Weitere Grund- und Oberschule werden dringend benötigt. Neubau des Gymnasiums muss 2019 beginnen.
– Unzureichendes Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren.
– Idee für „Kulturcampus“ in Verbindung mit Neubau Gymnasium Klotzsche.
– Blog für den Dresdner Norden lädt zum Mitmachen und Vernetzen ein.

Erste Berichte liegen schon vor:

Dresden Fernsehen, Ausgabe Dresden, 13. Dezember 2017

Platzmangel an Schulen – Stockende Entwicklung in Dresden Nord

Dresdner Neueste Nachrichten, 13. Dezember 2017:

Dresdner Neueste Nachrichten

Sächsische Zeitung, Ausgabe Dresden, 13. Dezember 2017

Sächsische zeitung

Weihnachtsmarkt des Hortes der 82. Grundschule in Klotzsche

Mittlerweile ist es schon eine schöne Tradition geworden, dass der Hort und der Förderverein der 82. Grundschule im Dezember zum abendlichen Hortweihnachtsmarkt auf dem Schulhof einlädt. Eröffnet durch den Schulchor unter Leitung von Frau Müksch stimmten sich die Mädchen und Jungen, Eltern, Großeltern, Freunde und Kollegen, auf das baldige Weihnachtsfest ein. Dieses Jahr gab es auch Angebote im Haus, damit sich alle Besucher zwischendurch ein wenig wärmen konnten. Drinnen wurde also gebastelt und weihnachtlich vorgelesen, während draußen die Hortkinder an ihren geschmückten Ständen kandierte Äpfel, Sterne, gebastelte Engel und vieles mehr verkauften. Entstanden sind alle diese Dinge in den Weihnachtswerkstätten des Hortes, in denen in den letzten Wochen alle sehr geschäftig waren. Eine mittelalterliche Handwerksstätte, erklärt und begleitet durch die Gebrüder Sempf, hat vielen interessierten Besuchern gezeigt, wie alte Drucktechniken, Seilerei und Kerzendrechseln und vieles anders mehr funktionieren.

Der Förderverein hat mit Unterstützung vieler Eltern die Besucher mit frisch gebackenen Waffeln, Plätzchen und heißen Würstchen versorgt. Die Einnahmen kommen allen Kindern der Schule wieder zu Gute.

An den Feuerschalen wurden Stockbrote gebacken und zahlreiche Hände gewärmt. Eine schöne Stimmung, in der Ruhe und Besinnlichkeit, herzliche Begegnungen und weihnachtliche Vorfreude die Kinder und Erwachsenen durch die Stunden trugen.

Zum krönenden Abschluss gab es eine Feuerjongliershow mit Drachengeschichte und Akkordeon. Davon ganz beseelt, gingen die Mädchen und Jungen mit ihren Eltern nach Hause in Vorfreude auf baldige Weihnachtsferien, Tannenbaum, Lichterglanz und den Weihnachtsmann natürlich.

Alexandra Starosta

Ein Duft von Waffeln und Lagerfeuer und feine selbsthergestellte weihnachtliche Ideen fand man heute beim Weihnachtsmarkt der 82. Grundschule. Bald war der Hof in weihnachtlicher Stimmung. Geschmückte Buden und die Möglichkeit selbst kreativ tätig zu sein rundeten das Angebot ab. Für das leibliche Wohl war gesorgt, die Würstchen, Stockbrot und die Waffeln gingen ab wie warme Semmeln ,aber auch Kekse und Punsch fanden ihre Abnehmer.

Ein gelungener Nachmittag. Dank an die vielen Helfer und Helfershelfer.

Michaela Labrenz

„Machet die Tore weit“ – Eröffnung des Gemeindehauses „Alte Post“

Ein Haus. Eine Gemeinde. Eine Gemeinde baut ihr Haus aus mit Fenstern in alle Himmelsrichtungen und Ideen weit über begrenzende Horizonte hinaus. Ein offenes Haus, das Brücken schaffen soll zwischen einer dynamischen Gemeinde und den Bewohnern unseres Stadtteils.

Sie haben Post….

„Diese Gemeinde ist sehr lebendig und es fühlt sich so an, als seien alle Aufgaben immer auf viele Schultern breit verteilt.“ betont Fr. Dr. Maria Knöpfel, seit 20 Jahren Gemeindemitglied. Und genau so fühlte sich auch die festliche Eröffnung an. Lebendig, Vielfalt lebend, sorgend, versorgend und vor allen Dingen einladend. Einladend nicht nur zu kulinarischen Köstlichkeiten und adventlichem Markttreiben, sondern zur Erkundung der vielen Möglichkeiten, die dieser so initiativreich und liebevoll-durchdacht gestaltete Raum bietet. Das Gemeindehaus im ehemaligen Postamt Klotzsche ist jetzt neue Heimat für die mannigfaltigen Kreise und Gruppen der quicklebendigen Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde in Klotzsche. Im zweiten Stock werden zwei Gruppen des Schulhorts der gegenüberliegenden 82. Grundschule ihren nachmittäglichen Alltag leben dürfen. Im Hof kann gespielt und getobt werden. Und unter dem Dach entstanden Unterrichtsräume für den Instrumentalunterricht des Heinrich-Schütz-Konservatoriums.

Inbesitznahme

Und so wie heute hat der Hof Platz für festliches Beisammensein unter freiem Himmel, für Begegnungen und die Freude, diesen Ort mit Leben zu erfüllen. Frau Karin Otto, hier in Klotzsche schon getauft und später in die Gemeinde zurückgekehrt, beschreibt ihr „gewaltiges Staunen darüber, wie viele Spenden insgesamt zusammengekommen sind“ und wie schön es sei, dass mit Amtsantritt Herrn Börnerts als Pfarrer der Gemeinde alles wunderbar „belebt worden“ sei.

Wie schön auch der Gedanke, dass seinerzeit von hier aus Botschaften jeder Art in aller Herren Länder gesandt wurden und auch hier empfangen werden konnten. Manche postlagernd, manche niemals abgeholt, aber in der Mehrheit einen Empfänger findend. „Das war damals, zu DDR-Zeiten, das Postamt 8. Ich habe am Paketschalter gearbeitet und viele Pakete nach dem Ausland angenommen.“ erzählt Frau Hella Werner, die hier groß geworden und voller Neugier zur Eröffnung mit dem Bus gekommen ist. Ihr gefalle, dass sie hier so viel Kontakt finden könne zu verschiedenen Menschen in einem wunderschönen hellen Gemeindehaus. Heute lebt die Gemeinde hier die Botschaft, Vielfalt eine Chance zu geben und dies in gemeinschaftlichem Handeln auch zu zeigen. Dass diese Botschaft schon eine große Wirkung entfaltet hat, zeigte sich unter anderem in der großartigen Überfüllung unserer Kirche zum Festgottesdienst. Viele der 2400 Gemeindemitglieder wollten Anteil nehmen und besetzen auch noch die letzte Lücke im Kirchenschiff. Herr Wintrich, Leiter des Ortsamtes Dresden Klotzsche, ließ es sich nicht nehmen, eine Grünpflanze für die freundlich-hellen Räume des Gemeindezentrums zu überreichen. Im Gespräch verlieh er seinem Gefühl Ausdruck, dass die Einwohner seines Klotzscher Ortsamtbereiches nicht nur sehr aktive und engagierte Mitmenschen seien, sondern sich auch im Rahmen der kirchlichen Gemeinden auf vielen Ebenen träfen und auf diesem Wege eine sinnvolle Verzahnung verschiedenster Aktivitäten möglich werde. Auch sei es von sinnstiftender Bedeutung, dass eine gute Zusammenarbeit von Amt und Kirche gepflegt werde. Frau Bibas vom Eigenbetrieb der Kindertagesstätten Dresden betonte das Novum, eine öffentliche Einrichtung in kirchlichen Räumen zu betreiben und über alle Grenzen hinweg, nicht nur konfessionelle, Kontakte zu pflegen.

Machet die Tore weit – ein Bezug, den Herr Schubert von der Katholischen Gemeinde aufgriff und im Sinne der Eröffnung dieses schönen Begegnungs-Gemeinde-Zentrums betonte. Sein Geschenk an die Gemeinde – kunstvoll gestaltete Tassen –  wird bei jedem Kaffee- oder Teegenuss, beim Haareraufen und Lösungen finden, beim Reden und Begegnen, immer daran erinnern, dass wir nicht allein sind, sondern eingebettet in einen vielgestaltigen sozialen Raum, dessen sich die Gemeinde insbesondere mit dem heutigen Tage annahm. Claudia Hanke, ein Grußwort der katholischen Gemeinde überbringend und angetan von der Atmosphäre des Festgottesdienstes, verlieh ihrem Gefühl Ausdruck mit den Worten: „Ich darf es ja hier sagen, ich ziehe in Gedanken mit ein.“

Das Projekt

Ein Projekt wie das neue Gemeindezentrum ist ein Kraftakt. Über 2.500 ehrenamtliche Arbeitsstunden und über 325.000 Euro Spenden hat die Gemeinde erbracht, 770.000 Euro sind von der Landeskirche Sachsen aufgewendet worden, um den Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Auch die Aktion Mensch beteiligte sich mit 42.000 Euro für die Barrierefreie Begehbarkeit des Hauses. Das Denkmalamt unterstützte den Ausbau mit 36.000 Euro. Dennoch hat die Alte Post nicht völlig unproblematisch ihre Bestimmung geändert – wachsende Baukosten (25% höher als geplant), Bauzeitverlängerung und dergleichen mehr haben alle Ressourcen und vor allem geduldiges Dranbleiben herausgefordert.

Die Namensgebung

Aus einer Vielzahl schöner, phantasievoller und umfangreicher Vorschläge zur Namensgebung kristallisierte sich letztlich eine Bezeichnung, die allen Anliegen an Verständlichkeit, Wiedererkennungswert und Offenheit entspricht. Herr Pfarrer Börnert beschrieb die Auswahl in etwa mit den folgenden Worten:

Ein Haus – Geborgenheit vermittelnd. Einladung ausstrahlend.

Alte Post – historisch bezogen, öffnend nach außen, verständlich für alle, Einladung an alle.

Öffnend nach außen, verständlich für alle, Einladung an alle.

Unser Gemeindehaus „Alte Post“

Ein Haus. Eine Gemeinde. Eine wundervolle verbindende Idee, die in Zeiten immenser gesellschaftlicher Herausforderungen den Raum bieten kann, ganz im Kleinen aber auch in einem wachsenden Ausmaß Gemeinschaft, Gemeinsamkeit, Auseinandersetzung und Annäherung zu leben und der Liebe Gottes und der Menschen untereinander Gehör, Gefühl und Gesicht zu geben.

Dieses Bild anklicken, um zur Fotostrecke zu gelangen…