Archiv der Kategorie: Kolumne

Laubbläserkunst und anderes

Klotzscher Randnotizen von Jayne-Ann Igel

Klotzsche sei ein ruhiges Viertel, im Herzen zumal, im Königswald, gar ein beschauliches, sagt man oft, und das stimmt ja auch, zum Teil. Ab und an kann man ihr teilhaftig werden, der Stille, in der man an Sonntagmorgen bis zur Elbe hin zu lauschen vermag. Ein lauschiges Viertel also, der vielen Gärten und begrünten Grundstücke wegen, oder trotz? Der Gärtnerinnen und Gärtner Lust, der Hausmeisterservices Dienst am Kunden  machen sich jedenfalls deutlich vernehmbar. Ein Kanon, ein Stimmengewirr aus motorisierten Heckenscheren, benzingetriebenen Rasenmähern, Laubsaugern und -bläsern, gestaffelt über den ganzen Werktag, letztere nicht nur mehr im Herbst, nein, auch schon im Frühjahr, und wochentags ab Sieben morgens. Diese klangliche Ebene ist das eine, das andere das Reinheitsgebot, das viele so sehr verinnerlicht haben: das Gras muss kurz gehalten werden, am besten ohne Wildes darin, das unkontrolliert zur Blüte kommt. Im Herbst muss das Laub weg, aus Garten und Grundstück, bis aufs letzte Blatt. Das ist allerdings nicht nur in Klotzsche so …
Dass im Laub gern Igel überwintern, scheint einigermaßen bekannt, dass es aber auch Insekten und deren Larven als Heimstatt dient, schon weniger. Und die fallen nicht nur unter die Kategorie sogenannter Schädlinge. Viele Insekten bewirken, dass sich das Laub zersetzt, über den Winter, allmählich zu Humus wird. Es dient ihnen aber auch als Nahrung, wie sie selbst wiederum den Vögeln. Das Insektensterben ist in aller Munde, auch die daraus erwachsende Kalamität für etliche Vogelarten, doch Konsequenzen für das eigene Handeln zeitigt das kaum. Ein Laubbläser bewegt die Blätter mit einem Luftstrom bis zu 200 km/h, das überlebt kein Insekt, es wird zu Feinstaub vermahlen und nützt so niemanden was. Dazu werden noch Keime in der Luft verwirbelt, nicht gerade hygienisch, obgleich man gerade der zu dienen meint, zumindest der der Gärten.

Dezember 2018

Am Rande

Klotzscher Randnotizen von Jayne-Ann Igel

Kann man sich in Klotzsche verlieben?

Zunächst war Klotzsche für mich nicht mehr als eine Bahnstation, an der ich vorüber sauste, mehrmals im Jahr, im Zug nach Warschau, in den 70ern. Ich sah das Schild, das Bahnhofsgebäude, nicht grauer als anderswo, und dann ging es wieder durch Wald. Die Station dünkte mir das Tor zur Lausitz, in diese hügelige Landschaft, in der meine Mutter aufgewachsen. Ich hatte keine Ahnung davon, eines Tages hier zu landen und zuhause zu sein, als Schriftstellerin und Herausgeberin zu leben, auch nicht mehr weg zu wollen, nach mittlerweile über zwanzig Jahren. Warum das so ist? Diese Frage stelle ich mir ab und an, die Antwort fällt jedesmal anders aus und scheint vom Wesen her doch dieselbe. Halten mich die Menschen hier, die Landschaften, oder die Vorstadtbeschaulichkeit?

Die Kolumne, die unter dem Titel „Klotzscher Randnotizen“ zukünftig mit relativer Regelmäßigkeit im Blog erscheinen wird, mag auch solchen Fragen nachgehen. Sie wird sich aber vor allem Alltagsbeobachtungen widmen, Dingen, die sich vielleicht am Rande der Wahrnehmung abspielen, Veränderungen, auf die ich mir wie andere Menschen auch einen „Reim“ zu machen versuche. Jeden Tag per Rad unterwegs im Viertel wie im Dresdner Norden …

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