Archiv der Kategorie: Kultur & Kunst

Menschen in Klotzsche: Die Schriftstellerin Jayne-Ann Igel

Jayne-Ann Igel in ihrem Arbeitszimmer

Wer viel im Dresdner Norden unterwegs ist, dürfte ihr immer wieder begegnen: Jayne-Ann Igel erkundet Klotzsche und seine Umgebung nahezu täglich, sommers wie winters, bei gutem und schlechtem Wetter, zumeist mit Fahrrad und Kamera. Die Wahl-Klotzscherin wurde 1954 in Leipzig geboren und wuchs mit Blick auf eine Haftanstalt, in der ihr Vater arbeitete, in einer staatstreuen Familie auf. Als Kind etwas kränklich und nicht zuletzt bereits dadurch anders als andere Kinder, fand sie schon früh zur Literatur und zum Schreiben. Der Versuch, bereits zu ihrer Schulzeit die Deutsche Bücherei in Leipzig zu nutzen, wurde zwar abschlägig beschieden, nicht jedoch ohne den Hinweis, dass Minderjährigen in dieser Institution trotzdem eine Ausbildung offenstände. Also erlernte sie dort den Beruf einer Bibliotheksfacharbeiterin und erhielt damit – und das gehörte mit zum Ersten, was sie mir zu Beginn unserer langen Gespräche mit einem verschmitzt-glücklichen Lächeln erzählte – den „Schlüssel des Glücks“ und mit ihm Zugang zu allen Büchern, die in der Deutschen Bücherei inventarisiert wurden, also auch zu jenen, die nur sehr beschränkt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten. Später begann sie ein Theologie-Studium – und am selben Tag ernsthaft mit dem Schreiben. Während in jugendlichen Jahren zunächst Texte entstanden waren, die von fernen, fremden Welten handelten, ging es jetzt um Erkundungen, um die eigene Wahrnehmung, das persönliche Umfeld, die eigene Kindheit und Jugend, Nachtträume und Selbstverortung. Das Studium brach sie kurz vor dem Abschluss ab, um sich ganz dem Schreiben widmen zu können. Sie bewegte sich – wohl ebenso leise und zurückhaltend, wie es noch heute ihre Art ist – in der, wie es Wolfgang Hilbig einmal nannte, „Küchen- und Korridor-Szene“ Leipziger Künstlerkreise und wurde lange von offiziellen Verlagen nicht veröffentlicht. Erst ab der Mitte der 80er Jahre erschienen erste einzelne Gedichte in Zeitschriften und Anthologien in Ost und West. Im Wendejahr 1989 – für Jayne-Ann Igel ein Wendejahr in vielerlei Hinsicht – dann gleich zwei eigene Gedichtbände, zum einen im S. Fischer Verlag Frankfurt am Main, zum anderen in der Reihe Poesiealbum beim Verlag Neues Leben Berlin (Ost). Noch unter dem Eindruck der Montagsdemonstration vom 9. Oktober in Leipzig, an der auch sie teilgenommen hatte, fuhr sie wenige Tage später auf Einladung ihres westdeutschen Verlages erstmals in den Westen, zur Buchmesse nach Frankfurt. Die Genehmigung zu dieser Reise erhielt sie erst in letzter Minute, so dass sie nicht einmal mehr packen konnte und von ihrem Buchhonorar zunächst einmal Kleidung kaufen musste. Irgendwie irreal sei das alles damals gewesen, erzählt sie heute.

Ihre Textformen sind insbesondere Lyrik, lyrische Prosa und Prosaminiaturen. Außerdem schreibt sie seit 1981 Tagebücher, die angesichts ihres täglichen Schreibpensums bereits mehrere Schubladen und Regalfächer füllen, trotz kleinster Schrift. In ihnen notiert sie ihre Nachtträume, mit denen sie sich schon sehr lange intensiv auseinandersetzt, und alle anderen Begebenheiten und Gedanken, die sie beschäftigen. Oft sind diese Notate die Keimzellen für andere Texte. Außerdem ist sie gemeinsam mit Jan Kuhlbrodt Herausgeberin der Reihe Neue Lyrik, die in Kooperation mit der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen im Poetenladen erscheint.

Jayne-Ann Igel ist eine Beobachterin, eine, die auch den scheinbar nebensächlichsten Details ihre Aufmerksamkeit schenkt und Bedeutung beimisst, Details, die die meisten Menschen wohl übersehen: Schnecken, Fugen, Unkraut, Geländeformationen, Strukturen, Bäume, Schichtungen. Das schlägt sich auch in ihren Fotos nieder: drei Pappeln auf einem von Baggerspuren aufgerissenen und öd gefallenen Gelände, Bauerwartungsland; Laternenpfähle, die „ihre Hälse recken“; Baumgerippe; dreckige Wasserlachen in ausgefahrenen Feldwegen. Vieles wirkt auf den ersten Blick vielleicht düster, dunkel und schwermütig. Aber ich empfinde das nicht. Jayne-Ann Igel schärft unsere Wahrnehmung und lenkt sie wieder zurück auf das Wesentliche, weg von der Vormacht des Makellosen, Glatten, Perfekten und hin zur Realität – die zumeist eben mitnichten makellos, glatt und perfekt ist, aber deswegen auch noch lange nicht düster und hoffnungslos.

Mich nimmt ihr Schreiben gefangen! Es ist keine leichte Literatur, keine konsumierbare, gefällige, keine, die man nebenbei liest. Ja, man wird sie wohl „anspruchsvoll“ nennen müssen, es ist eine, die ihren Leser fordert und ihn auf sich selbst zurückwirft. Bei der Lektüre wurde ich mit vielen Gedanken und Gefühlen konfrontiert, die im tiefsten Inneren auch meine eigenen waren, mir im Alltag jedoch abhandengekommen sind. Das kann aufwühlen, keine Frage! Aber für mich ist es genau das, was ich von Literatur erwarte.

Nach Klotzsche hat Jayne-Ann Igel die Liebe verschlagen. Sie lebt und schreibt unter dem Dach einer Altbauwohnung im Villenviertel von Königswald mit Blick in hohe, alte immergrüne Kiefern.

Am kommenden Sonntag liest Jayne-Ann Igel zur Eröffnung des 3. Klotzscher Bücherbasars und der Literaturwoche im Gemeindehaus Alte Post aus ihren Miniaturen.

Petra Schweizer-Strobel

 

Neuere Publikationen von Jayne-Ann Igel:

Traumwache. Urs Engeler Editor, Basel 2006.

Berliner Tatsachen. Urs Engeler Editor, Basel 2009.

Vor dem Licht / Umtriebe (Reihe Staben). Gutleut Verlag, Frankfurt/Main 2014.

Schattenlicht. In: Peter Engstler/dirc frölic/Jayne-Ann Igel/Lilly Jäckl/Urs Jeggi/Jochen Schneiper, Das fünfte Schock. Prenzlauer Berg Collection, Vol. 3, Berlin 2016, 31-41.

Außerdem schreibt Jayne-Ann Igel einen Blog: https://umtriebe.wordpress.com/

 

Aus ihrer Werkstatt:

Einholen

nur von zahlen geträumt, ziffern, auf- und absteigenden, nein, nicht von der börse, nicht mal der geldbörse, geldwerten leistungen oder beträgen, vom simplen einmaleins des habens oder nicht-seins, nur von ziffern, zahlen, die sich zu ketten gereiht, als ginge es um eine treibjagd, eine auf das abgetriebene ich, und zählten darauf, dass es sich ein-, wenn nicht gar überholte …

 

Nächtliche Fahrt

jener bursche in der bahn, etwa sieben jahre alt, dicke brillengläser, den ich im schwarz hinterlegten spiegel des fensterglases erblickte – ich musste immer wieder hinschauen, zu diesem jungen, der etwas unbeholfen in seinen bewegungen wirkte, dazu auch überdreht – die  lange fahrt nach k. hoch redete er auf seine mutter ein, insistierte auf etwas, das sie nach ihrer ankunft zu hause unbedingt tun wollten, ja sollten, es hörte sich so an, als machte er einen vorschlag, verpackt in einen fragesatz, dessen gegenstand kaum variierte und den er nach kurzen pausen wiederholte – es steckte soviel an erwartung darin, dass ich davon ganz eingenommen war, während die mutter nicht darauf einzugehen schien – es war, als hinge seine existenz davon ab, dieses mögliche, vor ihnen liegende immer von neuem zur sprache zu bringen, es zu fixieren, und es erweckte den eindruck, als gedachte er seine mutter so zu trösten, doch die zeigte sich zunehmend peinlich berührt, versuchte ihn zum schweigen zu bringen, in dieser bahn, in der das größere schweigen schon einzug gehalten, und ich stierte in die schwärze des glases, in diese nicht zu leerende finsternis mit dem abbild des jungen, der schwarz geränderten brille, die mich an irgendjemand erinnerte; dann verließ ich den wagen und sah sie auf ihrem doppelsitz, der tür halb zugewandt, miteinander ringen …

 

Hinter glas

es ist ein fremdes, verlorenes dieser tage, allein das fotografieren funktioniert noch und zeitigt bilder, die ich lang anschauen mag; auf dem display erscheinen sie wie gerahmt, hinter glas, berührbar und doch entrückt, entzogen, darin die widerspiegelungen dessen, was sich in ihm bricht, widerspricht …

 

Legenden

schnecken morgens, im gewerbegebiet nord, die sich vor dem verblinden retten, auf den weg, diesen formsteingefügten, wo die triebe schon zwischen den fugen, die ränder unkenntlich geworden, überwuchert von orden unkrauts, von gräsern aus zeiten, als jegliches gewächs noch einen namen hatte, jede geländewölbung, jedes geräusch, der hundert- und xste feldrain auch, eine legende –

 

Schönschrift der Ordnung

der tröstung landschaft – die zeile kam mir, als ich das gelände des fontane centers passierte, dieser mehrwert-deponie, in der die bäume, in reihe und von gleich hohem wuchs, eine art schönschrift der ordnung darstellen, der zuteilung und anmutung …

Stadt und Wort

Collage: Paul Förster

Literaturstadt Dresden – das ist ein werbefreundlicher Titel. Einer, der kulturelle Identität und eine lebhafte Literaturszene verheißt. Ein Titel, der impliziert, dass die Literatur in Dresden einen festen Platz in der öffentlichen Debatte, im Tourismussektor und nicht zuletzt in den Haushaltsplänen der Stadt hat. Dresden kann auf eine reiche literarische Geschichte zurückblicken, aber auch zeitgenössische Werke prägen die kulturelle Landschaft. Und von ebenso zentraler Wichtigkeit ist die Generationen und Bevölkerungsgruppen übergreifende Rezeption und Reflexion des geschriebenen Wortes. Wer über die Literaturstadt Dresden nachdenkt, muss als Ausgangspunkt immer den Stellenwert der Literatur in den Köpfen der Dresdner Bürgerinnen und Bürger betrachten.

Diesem Gedanken näherte sich ein Schreibwettbewerb des Gymnasiums Dresden-Klotzsche auf die direkteste Weise an. Dabei sollten Schüler der neunten bis zwölften Klassen einen Text selbst verfassen – Textform und  Aussage waren frei wählbar. In Bezug auf den lokalliterarischen Kontext und auch als Anregung, in die genau entgegengesetzte Richtung zu denken, war das Thema vorgegeben: Literatur statt Dresden – Literaturstadt Dresden. Die 14 Texte, die in diesem Rahmen entstanden sind, siedeln sich mal mehr und mal weniger nahe am Thema an, beleuchten verschiedene Aspekte und sind doch oft sehr ähnlich. Da geht es um die Stadt in Vergangenheit und Gegenwart, auf objektiver oder tief persönlicher Ebene. Um Heimatliebe und Realitätsflucht. Um Konflikt und Einklang von Dresden, Menschen und Literatur.

Der Ton ist humorvoll, kritisch oder nachdenklich (oder alles in verschiedenen Dosierungen), letztlich ist jeder Text aber immer und vor allem ein Bild der Persönlichkeit und künstlerischen Identität seines Schöpfers.

Vorgetragen wurden die Texte am 8.11.2017 im Rahmen eines musikalisch-literarischen Abends, bei dem auch die von einer Lehrerjury bestimmten Sieger geehrt wurden.

Natürlich ist so ein Schreibwettbewerb keine Studie, dafür ist die Teilnehmerzahl zu gering und auch zu wenig repräsentativ. Dennoch zeigt er vielleicht, dass ein Empfinden für Literatur bei jungen Menschen (oder zumindest doch bei einigen) existiert. Und er trägt dazu bei, sich selbst eine Daseinsberechtigung zu schaffen, indem er selbst ein Teil der Literaturstadt Dresden ist.

David Berthold

 

Und hier eine Auswahl der eingereichten Arbeiten:

 

Robin Götzelt – Streng hermetisches Lautgedicht

alles gleich

 

statt satt satt statt statt satt statt statt
statt satt satt satt statt statt satt statt
statt satt satt statt statt satt statt satt
statt satt satt satt statt statt satt satt

glatt watt watt glatt glatt watt glatt glatt
glatt watt watt glatt glatt watt glatt watt
glatt watt watt glatt watt watt watt glatt
glatt glatt watt glatt glatt glatt glatt glatt

blatt ratt ratt blatt ratt blatt ratt ratt
blatt ratt ratt blatt ratt ratt blatt blatt
blatt ratt ratt blatt ratt ratt ratt ratt
blatt ratt ratt ratt blatt ratt blatt blatt

hatt matt matt matt matt hatt matt hatt
hatt matt matt matt hatt hatt matt matt
hatt matt matt hatt hatt hatt matt matt
hatt matt matt hatt matt hatt hatt hatt

statt satt satt statt statt satt statt satt
(dresden klotzsche)

 

Maja Seiler – Wunderbar

Die Barockstadt an der Elbe,
Erbaute man einst auf einem Felde.
Es siedelten sich daraufhin Exemplare,
Des Homo Sapiens an, über die Jahre.
 
So sind wir heute ne halbe Million,
Und mindestens so viele Touristen-Information‘,
Denn jene kommen zu uns sehr gerne,
Sie kommen auch gerne aus weiter Ferne.
 
Denn ebenso wie alle nach Glück und so streben,
Will auch jeder mal sein Blaues Wunder erleben.
Und das geht halt nur in dieser Stadt,
Die auch noch ein paar andere Brücken hat.
 
Denn auch Albert, Carola und Marie,
Gehören in diese Kategorie.
Sie sind Straßen und Fußwege über die Elbe,
Nicht Rhein Oder Isar – das ist nicht dasselbe!
 
Das Wasser der Elbe ist (wenn denn mal da),
Frisch, kühl, türkisblau und glasklar.
Und das Baden darin, das kühlt in der Hitze,
Die weißen Sandstrände sind auch echt spitze.
Dort kann man sich anschließend wunderbar sonnen,
Und wohnst du hier, dann hast du gewonnen.
 
Es möge bitte überall so schön wie hier werden,
Wir hätten das Paradies auf Erden.
In Sachsens Metropole werden alle Träume wahr,

Ach Dresden, du bist … ganz ok.

 

David Berthold – Die Kulisse

Endzeit ohne Endzeit.
Das Treiben Richtung Abgrund
erlahmt zur Ziellosigkeit.
Fatalismus verliert seinen Reiz.

Selbstverwirklichung
mit einem Gesellschafts-Selbst
in einer fragwürdigen Wirklichkeit
Wer bin ich? Und wer sind die anderen?

Ewig ist, was die Zeit verhöhnt,
denn Zeit ist Überfluss und Durst.
Ein brüchiger Grat ist die Flucht
inmitten des Staubs.

 

 

 

 

 

 

 

 

Klotzsche trifft sich

Am ersten Septembersamstag geschieht mit dem Waldgebiet rund ums Klotzscher Forstamt eine erstaunliche Verwandlung. Was bis eben noch ein ziemlich durchgeweichter Waldweg war, wird in den Nachmittagsstunden mehr und mehr zu einem Schauplatz regen musikalischen, kulinarischen und gesprächigen Treibens. Hunderte Familien sowie ältere und jüngere Semester jeglicher Couleur bevölkern, ja übervölkern für einige Stunden das Gelände. Dies nennt man das 7. Königswalder Forst- und Weinfest.

Foto: Simon Berthold

Die Idee, ein jährliches Waldfest zu organisieren, wurde anno 2011 durch den Klotzscher Verein e.V. an die Forstamtsleitung herangetragen mit dem Gedanken, an die Vergangenheit Klotzsches als Jagd- und Luftkurort anzuknüpfen. Seitdem stellt der Staatsbetrieb Sachsenforst die Kulisse zur Verfügung, während der Verein die Organisation erledigt. Mit jedem Jahr wächst das Forst- und Weinfest und das Programm wird vielfältiger. Dabei ist bei Wald und Wein lange nicht Schluss. Neben festen Größen wie der Freiwilligen Feuerwehr und dem Jagdverband präsentierten sich dieses Jahr unter anderem auch die Initiative „Brücken schaffen“ und die Alpha-Lernhilfe. Daneben fanden zahlreiche Live-Veranstaltungen mit musikalischen Beiträgen von Hip-Hop bis A-Capella-Männerchor statt. Wein gab es übrigens auch.

Foto. Simon Berthold

Somit ist das Königswalder Forst- und Weinfest zu einem echten Höhepunkt für Familien und alle anderen geworden und bringt Klotzscher (und solche, die es gerne wären) unter dem Blätterdach zusammen.

David Berthold

Er bringt uns sicher nach Haus

Gerhard Gundermann, wohl einer der wichtigsten Liedermacher im Osten Deutschlands, starb bereits 1998 mit nur dreiundvierzig Jahren. Seine Texte über das Leben sind aktuell und lebendig wie eh und je.  Die Band Huderich brachte sie am 10.06. in die Alte Kirche nach Klotzsche.

 

Huderich spielt Gundermann

schlaf kleine frau mach die beine lang
der mond leckt uns die strasse blank
der teufel macht heut krank
und bleibt im schrank

ein alter mann vom strassendienst
winkt uns nach und grinst
er hat schlecht bezahlt
`n weißen strich über land gemalt

der bringt uns sicher nach haus

schlaf kleine frau mach die augen zu
der silberkäfer braucht keine ruh\‘
er nimmt uns gerne mit
für\’n bisschen sprit

tausend mann haben dran gebaut
ein dieb hat ihn für uns geklaut
es ist warm und laut
unter seiner eisenhaut

der bringt uns sicher nach haus

schlaf kleine frau das land ist leer
nur du und ich und sonst keiner mehr
der mond scheint hell wie nie
mit seiner neuen batterie

der bringt uns sicher nach haus

Ich bin in Hoyerswerda aufgewachsen, genau in dieser „Maschinistenfarm“, umgeben von Tagebauen, die Gerhard Gundermann in seinen Liedern besungen hat. Er und seine Band „Brigade Feuerstein“ waren eine bekannte Größe in Hoyerswerda. Seine Texte waren kontrovers, regten zum Widerspruch an… und manchmal regten sie mich einfach nur auf. Aber sie gehörten dazu.

Und dann Huderich in der Alten Kirche in Klotzsche…. Trotz Sonnabendabend und schönstem Grillwetter war der Raum gut gefüllt. Mit allen Jahrgängen. Und manche Ältere hatten wohl manchmal einen verdächtig schimmernden Blick. Die Band brachte die ganze Bandbreite der Gundermann-Texte: melancholisch, widersprüchlich, ironisch, hin und wieder etwas derb. Und hochaktuell. Es war nicht so einfach nachgespielt. Ich hatte das Gefühl, Gundermann lebt in Huderich weiter. Sicher ist mein Eindruck da sehr subjektiv gefärbt. Dennoch.

Manches war ein Déjà-vu für mich. Erinnerungen an Kindheit und Jugend in der Betonstadt kamen wieder. Schöne und weniger gewollte. Songs über das Leben….

Ein gelungener Abend mit einer Band, die ich in Klotzsche sehr gern einmal wieder sehen und hören möchte.

Michael Drechsler


 

Klotzsche-Skate — Lärm, Müll und Rauschgift?

Skateanlagen sind in, ohne Frage. Eine attraktive Freizeitmöglichkeit für Kinder und Jugendliche. Aber braucht Klotzsche eine Skatanlage für Kinder? Darüber gehen die Meinungen offensichtlich weit auseinander. Am 6. April fand dazu eine öffentliche Diskussion statt. Öffentlich im wahrsten Sinne des Wortes: Auf dem Spielplatz Rostocker Straße trafen sich Vertreter der Jugendamtes Dresden, des Amtes für Stadtgrün und eine relativ große Zahl von Anwohnern, meist ältere Jahrgänge. Die Veranstaltung wurde vom Stadtjugendring Dresden und der Stadtteilrunde Nord organisiert.

Lebhafte Diskussion

Und diese hielten mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg. Hintergrund war offensichtlich viel Verdruss in der Vergangenheit. Spielplätze und Sportanlagen müssen sein, darin bestand Einigkeit. Aber es gibt auch Schattenseiten. Nicht jeder ist beglückt, wenn er am Sonntagmorgen gegen fünf einem Fußballspiel beiwohnen darf. Und nicht jeder freut sich über laute Musik zu nachtschlafener Zeit und tags darauf über leere und zerschlagene Alkoholbehältnisse. Ja, es geht um Kinderspielplätze, aber die Anwohner haben da wohl so ihre Erfahrungen mit „Fremdnutzung“ gemacht. Die Aufregung und die Skepsis waren jedenfalls unüberhörbar. Lärm, Müll und Rauschgift – diese Worte fielen nicht selten. Und niemand der Anwesenden wollte ernsthaft glauben, dass man strenge Regeln zur Nutzung auch durchsetzen könne.

Die Fakten: Es gibt Ideen, im Stadtteil eine Skateanlage zu errichten. Ein Wunsch der Kinder. Die anvisierte Altersgruppe sind die 10–12–Jährigen, für die es bislang im Stadtteil nicht allzu viele öffentliche Möglichkeiten gibt, sich auszutoben.

Es geht zunächst darum, einen geeigneten Standort und die Akzeptanz der Anwohner zu finden. Die Zinnowitzer/Ecke Rostocker Straße war nur eine diskutierte Möglichkeit. Es müssen etliche Dinge durchdacht werden: schließlich leben wir in Deutschland und da gibt es selbst für Skateanlagen eine DIN (DIN EN 14974 „Anlagen für Benutzer von Rollsportgeräten — sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren“).

Wie können die Bedürfnisse der unterschiedlichen Altersgruppen — der Kinder und Jugendlichen, die sich eine Skatebahn wünschen, auf der einen, der Anwohner, die mit den Begleitumständen leben müssen, auf der anderen Seite — berücksichtigt werden?

Michael Drechsler