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Geht die Klotzscher Schwimmhalle baden?

Ein Diskussionsabend in Klotzsche am 07.03.2018

von Stephan Krüger

Wer seinen Kindern zu erklären versucht, wie sich das Leben zu Zeiten sowjetischer Besatzung anfühlte, der braucht nur die Königsbrücker Straße stadtwärts zu radeln, spätestens ab der Stauffenbergallee ist auch der letzte 100-prozentige Genosse erleichtert, dass die 89er Wende fast alle anderen schlechten Straßen auf dem Gewissen hat. Seit wie vielen Jahren wird nun über die Sanierung der Königsbrücker Straße diskutiert? Vermutlich sogar schon seit 1945. Fast im Jahrestakt wird aufgerissen und zugeschmiert, alles provisorisch, denn alle sind sich einig: Die Straße ist alternativlos und braucht eine Totalsanierung. Ergebnis aller bisherigen Diskussionen: Der Status quo bleibt erhalten.

Hoffen wir, dass dem Klotzscher Sportkomplex ein ähnliches Schicksal erspart bleibt. Seit dem Bau der Schwimmhalle, der Turnhalle und des Sportplatzes zur Vorbereitung der Olympiade 1936 wurde die Klotzscher Schwimmhalle noch nie grundsaniert. Trotzdem hat sie 80 Jahre durchgehalten, inklusive Turnhalle und Sportplatz.

Schwimmhalle, Turnhalle, und von Wildschweinen umgegrabener Sportplatz

Das könnte bald vorbei sein. Die ehemals bild- und auch heute noch architektonisch schöne Anlage verfällt zusehends, trotz Denkmalschutz. Gleichzeitig steht sie bei den Bürgern so hoch im Kurs, dass die Schwimmhalle fast täglich von 06:30 bis 22:00 Uhr  von Einzelgängern bis Vereinen, von Kindern bis Senioren, von Tauchern, Synchronschwimmern, Wasserballern, Triathleten, Rettungsschwimmern, mithin von Menschen fast jeder Couleur, die schwimmen können oder es lernen wollen, in Anspruch genommen wird.

Am 07.03.2018 hatte die Klotzscher CDU um Christian Hartmann zur Bürgerversammlung mit dem Thema „Schwimmhalle Klotzsche“ geladen.

Podium der Bürgerversammlung am 07.03.2018

Bürgermeister Dr. Peter Lames (SPD) begann mit einem Vortrag über die „Bäderkonzeption im Zusammenhang“ und warb für Verständnis dafür, dass die Stadt Dresden die Interessen ALLER Bürger im Blick behalten müsse, was im Einzelfall bedeuten könne, lokale Privilegien wie eine örtliche Schwimmhalle nicht in jedem Fall dauerhaft erhalten zu können. Für die Klotzscher Schwimmhalle gäbe es eine unbedingte und unbefristete Betriebserlaubnis, diese würde sicherstellen, dass das Klotzscher Schwimmbad solange zur Verfügung stände, bis ein Neubau – wo auch immer – errichtet worden ist. Die Bäder GmbH bekäme ihre Mittel aus den Erträgen der Technischen Werke der Stadt Dresden. Damit belasteten die Bäder nicht den Haushalt der Stadt, vielmehr finanzierten die Bürger die Bäder über ihre Zahlungen an die Stadtwerke. Pro Jahr sei ein Zuschuss von ca. 9 Millionen Euro für den Bäderbetrieb in Dresden erforderlich. Da diese Mittel steuerrechtlich nicht den Einkünften der Stadtwerke entnommen würden, fiele auch keine Kapitalertragssteuer an.

Lames führte zwei Randbedingungen an, die bei einer neu zu errichtenden Schwimmhalle zu beachten seien:

  1. Die Optimierung der Betriebsverhältnisse: Dazu gehöre, die Schwimmhalle an eine Stelle zu setzen, an der sie von vielen Menschen gut zu erreichen sei.
  2. Die Fläche, auf der sich die Schwimmhalle heute in Klotzsche befindet, sei ein Gewerbegebiet, das wachsen solle. Diese Fläche müsse langfristig für die Expansion örtlicher Unternehmen zur Verfügung stehen.

Lames betonte, nicht nur für die Schwimmhalle, auch für die Turnhalle sei ein Ersatzbau erforderlich, für den ebenfalls eine Ausgleichsfläche gesucht werde.

Der Chef der Dresdner Bäder GmbH Matthias Waurick lieferte weitere Informationen:

Die Schwimmhalle Klotzsche verfüge über 312 m² Wasserfläche. Ganz Dresden habe knapp 5.000 m² Wasserfläche, das seien ungefähr 111 Einwohnern pro m². Im Vergleich mit den anderen acht deutschen Städten mit Einwohnerzahlen zwischen 500.000 und 600.000 Einwohnern sei Dresden dabei Schlusslicht. Dresden weise hier einen Mehrbedarf von ca. 1100 m² Schwimmhallen-Wasserfläche aus. Das entspräche einer zusätzlichen großen 50 m – Schwimmhalle. Um Kosten zu sparen, wäre deshalb eine große Schwimmhalle mit 800-900m² Fläche – Waurick nannte sie „kompakte Schwimmhalle“ – wünschenswert. Damit sich diese große Schwimmhalle rentiere, müsse das Einzugsgebiet dieser Schwimmhalle deutlich vergrößert werden. Das gelänge nur durch einen Standort, der stadtnäher als Klotzsche sei und beispielsweise in Pieschen läge. Nach Wauricks Rechnung erreiche die Klotzscher Schwimmhalle derzeit ein Einzugsgebiet von ca. 70.000 Einwohnern, während ein neuer Standort in Stadtnähe bis zu 140.000 Einwohnern erreichen könne. Waurick zählte auf, wie er sich eine „kompakte Schwimmhalle“ vorstelle: 25 Meter à 6 Bahnen, Lehrschwimmbecken, Mehrzweckbecken, variabler Boden, so dass auch Tauchen oder – anderes Extrem – „Senioren-Stehen“ möglich seien. Spezifische Nutzer seien das Schulverwaltungsamt, Vereine, Wasserballer, Synchronschwimmer, Taucher, Einzelpersonen jeglichen Alters sowie Kinder- und Aquafitnessgruppen Die Kosten für eine kompakte Schwimmhalle (800-900 m²)  betrügen nur 2/3 der Kosten von vier kleinen Schwimmhallen (4 x 300 m² = 1200 m²). Der Zeitrahmen für derartige Investitionsbauten betrage ungefähr vier Jahre ab Grunderwerb: zwei Jahre Vorbereitung, Planung, Genehmigung und zwei Jahre Bau. Die derzeit in Planung und Bau befindlichen Schwimmhallen an der Freiberger Straße sowie in Prohlis würden bis 2019 bzw. 2022 fertiggestellt sein, danach könnte der Bau der neuen Schwimmhalle im Dresdener Norden beginnen. Zugabe: Der Freistaat würde den Neubau vermutlich unterstützen.

Nach Bäder–Chef Waurick sprach der stellvertretende Vorsitzende des Schwimmvereins Weixdorf Steffen Herzog.

Der Klotzscher Sportkomplex, begann Herzog seine Rede, sei eine einmalige Kombination aus Schwimmhalle, Sporthalle und Sportplatz. 14 Schulen von der Grundschule bis zum Gymnasium nutzten die Schwimmhalle. Nachmittags und abends gäbe es öffentliches Schwimmen. Zwei Schwimmvereine mit Sportschwimmen nutzten die Halle, die Schwimmer kämen aus der ganzen Stadt. Beide Vereine hätten um die 500 Mitglieder zwischen 5 und 90 Jahren. 25 lizensierte Trainer würden erfolgreich ausbilden, u. a. auch Rettungsschwimmer, die an vielen Stellen in unserer Gesellschaft gebraucht würden. Die Trainerausbildung dauere 3 Jahre und jeder Trainer müsse die Wettkampfrichterausbildung abschließen. Vereine widmeten sich der Schwimmausbildung, Ziel der Ausbildung sei nicht nur die Schwimmausbildung, sondern es ginge auch um die Talententwicklung und die sich anschließende Ausbildung an Sportgymnasien und Sporthochschulen. Der Talentestützpunkt Weixdorfer Schwimmverein wurde erst kürzlich als Talentschule ausgezeichnet. Äußerst geschickt geplant (Olympiade 1936) sei die Paarung aus Schwimmhalle, Turnhalle und Sportplatz hinsichtlich der athletischen Ausbildung der Schwimmer. Es gäbe sogar eine Reihe Vereine, die aufgrund lokaler Baumaßnahmen wie aktuell in der Freiberger Straße nach Klotzsche ausgelagert worden seien. Ein weiterer Pluspunkt sei die hervorragende Erreichbarkeit der Schwimmhalle für Menschen aus der Region jenseits der Stadt und die im Vergleich zu anderen Dresdner Schwimmhallen sehr guten Parkmöglichkeiten. Sollte es zur Schließung der Klotzscher Schwimmhalle kommen, erwarte der Schwimmverband, durch den Umzug Verluste bei der Ausbildung bei Kindern von bis zu 70%.

Teil der Turnhalle

Herzogs Verteidigungsrede löste großen Beifall aus.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion wurden von den über 100 anwesenden Bürgern Fragen an das Podium gestellt, Meinungen getauscht und philosophiert.

Themen waren die lokale Identifikation als Heimat, die Entschleunigung, die man in Klotzsche im Vergleich zur rastlosen Stadt im Tal erleben kann, kinderreiche Familien, die von einer lokalen Schwimmhalle profitierten, lange oder kurze Wege für die Bürger, die vielen leerstehenden Industrieflächen, die das Argument, das Gelände der Schwimmhalle sei für die Industrie erforderlich, schwach aussehen ließen, bis hin zum Argument, in einer Gesellschaft, in der Werte und Normen schleichend verloren gingen, wäre es insbesondere für unsere Kinder wichtig, sie von den Computern, Handys oder der Straße wegzuholen und sie stattdessen mit praktischen Befähigungen wie Schwimmen und Mannschaftsgeist auszustatten und ihre Gesundheit zu festigen.

Hoffen wir, dass die Botschaften bei den Entscheidern angekommen sind. Zustände wie bei der Königsbrücker Straße möchte keiner. Der Wunsch der Bürger ist an diesem Abend eindeutig:

Die Klotzscher Schwimmhalle soll saniert werden und erhalten bleiben.

Einige Fragen blieben meines Erachtens jedoch offen:

– Unterstützt der Freistaat ausschließlich einen Neubau oder würde er auch die Sanierung der bestehenden Klotzscher Schwimmhalle mitfinanzieren?

– Warum geht Bäder-Chef Waurick in seiner Vergleichsrechnung von vier kleinen Schwimmhallen aus? Vergliche man die Kosten einer zentral gelegenen Kompakt-Schwimmhalle mit nur drei (statt vier) dezentralen kleinen Schwimmhallen (3 x 300m² = 900m²), lägen die Kosten vermutlich nicht mehr so weit, wie von Waurick angeführt, auseinander und mehrere Stadteile könnten mit eigenen Schwimmhallen beglückt werden. Eine dieser drei Schwimmhallen – eventuell die am zentralsten gelegene – könnte ja  trotzdem durchaus mit einem Mehrzweckbecken versehen werden, um die spezifischen Wünsche von Senioren und Tauchern zu erfüllen.

Antworten zu diesen und weiteren Fragen werden gegebenenfalls nachgereicht.

(nach Absprache gekürzt)

Links:

Schwimmhalle Klotzsche

Der Dresdner Norden braucht eine neue Schwimmhalle (DNN)

Streit um Dresdens Bäder (Sächsische Zeitung)

Menschen in Klotzsche: Christian Wintrich

Erster Ansprechpartner für die Klotzscher/-innen

Wir sind zu Besuch bei Christian Wintrich, dem Ortsamtsleiter von Klotzsche und Pieschen. Wir wollen wissen, wer Christian Wintrich ist, wo er herkommt und was ihn bewegt

Christian Wintrich (62), erlernte den Beruf eines Chemielaboranten und studierte dann Maschinenbau. Zur Verwaltung kam er nach 1989, als im Zuge der politischen Veränderungen auch Quereinsteiger begannen, Verantwortung in der Verwaltung zu übernehmen. „Es war eine ganz tolle und aufregende Zeit. Wir alle waren euphorisch, wollten etwas bewegen und manches verändern. Es hat mir richtig Spaß gemacht.“ In seiner Stimme schwingt immer noch Begeisterung mit. Auch nach so langer Zeit.

Im Jahr 2010 kam er ins Ortsamt Klotzsche. Zunächst als Stellvertreter des Ortsamtsleiters, dann seit 2014 als Chef. Vorher musste er allerdings – so ist das übliche Procedere – den Ortsbeirat davon überzeugen, dass er der Richtige für diesen Posten ist. Die Entscheidung fällt zwar am Ende der Stadtrat, aber das Votum des Ortsbeirates ist wichtig. „Wie haben Sie den Klotzscher Ortbeirat überzeugt?“ Auf meine Frage hin schaut unser Gegenüber zunächst etwas überrascht:

„Eigentlich müssten das diejenigen beantworten, die das damals entschieden haben. Ich denke, es war eine Mischung aus der Bewertung meiner vorherigen Arbeit und der Anerkennung meiner langjährigen Erfahrung“, kommt die zögerliche aber bestimmte Antwort. Es ist ihm gelungen – und zu Beginn geriet er sogleich in eine äußerst turbulente Phase.

„Ja, 2015 – das war schon keine einfache Situation.“, spricht er weiter. Es waren diese dramatischen Stunden, als die Emotionen wegen des geplanten Flüchtlingsheims auf der Karl-Marx-Straße hoch kochten. Als sich die Gegner und Befürworter vor dem Rathaus gegenüberstanden und lautstark ihre Meinung äußerten.

Wenn sich Christian Wintrich daran erinnert, spürt man seine Bewegung noch heute.

„Vor dem Haus standen die Menschen und demonstrierten und gaben lautstark Ihre Meinung kund. Wir haben zeitgleich im Ortsbeirat über das Thema beraten. Obwohl die Entscheidung am Ende der Stadtrat treffen musste, wollten die Klotzscher/-innen, dass wir uns hier klar positionieren. Das war wirklich schwierig.“  Christian Wintrich gibt ehrlich zu, dass er von der Heftigkeit dieser Kontroversen überrascht war.

Wie er denn einen typischen Klotzscher sieht, wollen wir wissen. Er denkt nach, spricht bedächtig: „Bis zu diesem Tag im Jahr 2014 dachte ich, es gibt hier wenige Konflikte, es läuft alles sehr geordnet ab. Die Meisten sind mit ihrem Stadtteil und dem, was sie umgibt, zufrieden. So dachte ich und so war ich eingestellt.“ Klotzsche habe sich als sehr konservatives und sehr bürgerliches Viertel gezeigt.

„Klotzsche kann man von den Emotionen der Einwohner schon mit einer Kleinstadt vergleichen. Ich habe den Eindruck, dass es mitunter schwer ist, als Zugezogener die volle Anerkennung der Alteingesessenen zu erlangen. Man wird zunächst als der Neue wahrgenommen und es wird kritisch auf die Dinge geschaut, die man macht. Es braucht eben seine Zeit, bis man akzeptiert wird. Ähnlich ist es mit Veränderungen, die den Stadtteil betreffen. Auch hier wird kritisch hinterfragt, was sich verändert. Ich sehe das aber eher als positive Eigenschaft der Klotzscher/-innen“.

Weitere Eigenschaften des Stadtteils aus seiner Sicht: „Es gibt sehr viele interessierte und ihrem Stadtteil zugewandte Menschen, für die die Historie des Ortes immer noch eine große Rolle spielt. Man sieht es an der Resonanz, wenn zu geschichtlichen Themen Vorträge oder Lesungen organisiert werden“.

Man merkt, Christian Wintrich ist in Klotzsche angekommen und kann sich mit dem Stadtteil und den Menschen hier identifizieren.

Wie sieht er seine Aufgaben?

„Ich bin der erste Ansprechpartner für die Klotzscher/-innen.“ Er stutzt kurz, als ihm dieser Satz entfährt. „Kann man das so sagen?“, schließt sich die Frage an, mehr zu sich selbst gestellt. Um gleich die Antwort zu geben: „Ja, ich denke schon!“ Er lacht. Er ist personell zuständig für die Mitarbeiter des Ortsamtes, leitet die Sitzungen des Ortsbeirates und ist in erster Linie Anlaufstelle für Probleme und Sorgen der Einwohner/-innen.

Welche Dinge stehen noch an, was möchte er in Klotzsche noch bewegen? Was sind die vordringlichsten Aufgaben?

Die Weiterentwicklung des Stadtteils durch die Erschließung neuer Baugebiete. „Wir haben sehr viele Anfragen, von Leuten, die gern nach Klotzsche ziehen würden – leider fehlt uns dafür zunehmend der Platz“. Auch die Infrastruktur ist ein großes Thema. „Klotzsche wächst durch Zuzug und neue Industrieansiedlungen. Die Menschen wollen aber auch schnell von A nach B kommen. Deshalb steht in Zukunft auch der zweigleisige Ausbau der Bahnlinie 7 in Klotzsche an“.

Ein weiteres Thema ist die Schwimmhalle. „Die jetzige Schwimmhalle ist strategisch ungünstig gelegen und in keinem sehr attraktiven Zustand. Eine Sanierung oder ein Neubau an einer anderen Stelle ist ein Wunsch von vielen Klotzscher/-innen. Es bestehen auch Wünsche und Ideen für ein Bürgerhaus oder eine Begegnungsstätte – doch bis dahin wird noch etwas Zeit vergehen“. Klotzsche entwickelt sich, einiges geht schnell, anderes braucht Zeit – Christian Wintrich ist optimistisch, dass sich viele Dinge realisieren lassen, wenn die Klotzscher/-innen sich auch weiterhin so gut für ihren Stadtteil engagieren wie bisher.

„Machet die Tore weit“ – Eröffnung des Gemeindehauses „Alte Post“

Ein Haus. Eine Gemeinde. Eine Gemeinde baut ihr Haus aus mit Fenstern in alle Himmelsrichtungen und Ideen weit über begrenzende Horizonte hinaus. Ein offenes Haus, das Brücken schaffen soll zwischen einer dynamischen Gemeinde und den Bewohnern unseres Stadtteils.

Sie haben Post….

„Diese Gemeinde ist sehr lebendig und es fühlt sich so an, als seien alle Aufgaben immer auf viele Schultern breit verteilt.“ betont Fr. Dr. Maria Knöpfel, seit 20 Jahren Gemeindemitglied. Und genau so fühlte sich auch die festliche Eröffnung an. Lebendig, Vielfalt lebend, sorgend, versorgend und vor allen Dingen einladend. Einladend nicht nur zu kulinarischen Köstlichkeiten und adventlichem Markttreiben, sondern zur Erkundung der vielen Möglichkeiten, die dieser so initiativreich und liebevoll-durchdacht gestaltete Raum bietet. Das Gemeindehaus im ehemaligen Postamt Klotzsche ist jetzt neue Heimat für die mannigfaltigen Kreise und Gruppen der quicklebendigen Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde in Klotzsche. Im zweiten Stock werden zwei Gruppen des Schulhorts der gegenüberliegenden 82. Grundschule ihren nachmittäglichen Alltag leben dürfen. Im Hof kann gespielt und getobt werden. Und unter dem Dach entstanden Unterrichtsräume für den Instrumentalunterricht des Heinrich-Schütz-Konservatoriums.

Inbesitznahme

Und so wie heute hat der Hof Platz für festliches Beisammensein unter freiem Himmel, für Begegnungen und die Freude, diesen Ort mit Leben zu erfüllen. Frau Karin Otto, hier in Klotzsche schon getauft und später in die Gemeinde zurückgekehrt, beschreibt ihr „gewaltiges Staunen darüber, wie viele Spenden insgesamt zusammengekommen sind“ und wie schön es sei, dass mit Amtsantritt Herrn Börnerts als Pfarrer der Gemeinde alles wunderbar „belebt worden“ sei.

Wie schön auch der Gedanke, dass seinerzeit von hier aus Botschaften jeder Art in aller Herren Länder gesandt wurden und auch hier empfangen werden konnten. Manche postlagernd, manche niemals abgeholt, aber in der Mehrheit einen Empfänger findend. „Das war damals, zu DDR-Zeiten, das Postamt 8. Ich habe am Paketschalter gearbeitet und viele Pakete nach dem Ausland angenommen.“ erzählt Frau Hella Werner, die hier groß geworden und voller Neugier zur Eröffnung mit dem Bus gekommen ist. Ihr gefalle, dass sie hier so viel Kontakt finden könne zu verschiedenen Menschen in einem wunderschönen hellen Gemeindehaus. Heute lebt die Gemeinde hier die Botschaft, Vielfalt eine Chance zu geben und dies in gemeinschaftlichem Handeln auch zu zeigen. Dass diese Botschaft schon eine große Wirkung entfaltet hat, zeigte sich unter anderem in der großartigen Überfüllung unserer Kirche zum Festgottesdienst. Viele der 2400 Gemeindemitglieder wollten Anteil nehmen und besetzen auch noch die letzte Lücke im Kirchenschiff. Herr Wintrich, Leiter des Ortsamtes Dresden Klotzsche, ließ es sich nicht nehmen, eine Grünpflanze für die freundlich-hellen Räume des Gemeindezentrums zu überreichen. Im Gespräch verlieh er seinem Gefühl Ausdruck, dass die Einwohner seines Klotzscher Ortsamtbereiches nicht nur sehr aktive und engagierte Mitmenschen seien, sondern sich auch im Rahmen der kirchlichen Gemeinden auf vielen Ebenen träfen und auf diesem Wege eine sinnvolle Verzahnung verschiedenster Aktivitäten möglich werde. Auch sei es von sinnstiftender Bedeutung, dass eine gute Zusammenarbeit von Amt und Kirche gepflegt werde. Frau Bibas vom Eigenbetrieb der Kindertagesstätten Dresden betonte das Novum, eine öffentliche Einrichtung in kirchlichen Räumen zu betreiben und über alle Grenzen hinweg, nicht nur konfessionelle, Kontakte zu pflegen.

Machet die Tore weit – ein Bezug, den Herr Schubert von der Katholischen Gemeinde aufgriff und im Sinne der Eröffnung dieses schönen Begegnungs-Gemeinde-Zentrums betonte. Sein Geschenk an die Gemeinde – kunstvoll gestaltete Tassen –  wird bei jedem Kaffee- oder Teegenuss, beim Haareraufen und Lösungen finden, beim Reden und Begegnen, immer daran erinnern, dass wir nicht allein sind, sondern eingebettet in einen vielgestaltigen sozialen Raum, dessen sich die Gemeinde insbesondere mit dem heutigen Tage annahm. Claudia Hanke, ein Grußwort der katholischen Gemeinde überbringend und angetan von der Atmosphäre des Festgottesdienstes, verlieh ihrem Gefühl Ausdruck mit den Worten: „Ich darf es ja hier sagen, ich ziehe in Gedanken mit ein.“

Das Projekt

Ein Projekt wie das neue Gemeindezentrum ist ein Kraftakt. Über 2.500 ehrenamtliche Arbeitsstunden und über 325.000 Euro Spenden hat die Gemeinde erbracht, 770.000 Euro sind von der Landeskirche Sachsen aufgewendet worden, um den Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Auch die Aktion Mensch beteiligte sich mit 42.000 Euro für die Barrierefreie Begehbarkeit des Hauses. Das Denkmalamt unterstützte den Ausbau mit 36.000 Euro. Dennoch hat die Alte Post nicht völlig unproblematisch ihre Bestimmung geändert – wachsende Baukosten (25% höher als geplant), Bauzeitverlängerung und dergleichen mehr haben alle Ressourcen und vor allem geduldiges Dranbleiben herausgefordert.

Die Namensgebung

Aus einer Vielzahl schöner, phantasievoller und umfangreicher Vorschläge zur Namensgebung kristallisierte sich letztlich eine Bezeichnung, die allen Anliegen an Verständlichkeit, Wiedererkennungswert und Offenheit entspricht. Herr Pfarrer Börnert beschrieb die Auswahl in etwa mit den folgenden Worten:

Ein Haus – Geborgenheit vermittelnd. Einladung ausstrahlend.

Alte Post – historisch bezogen, öffnend nach außen, verständlich für alle, Einladung an alle.

Öffnend nach außen, verständlich für alle, Einladung an alle.

Unser Gemeindehaus „Alte Post“

Ein Haus. Eine Gemeinde. Eine wundervolle verbindende Idee, die in Zeiten immenser gesellschaftlicher Herausforderungen den Raum bieten kann, ganz im Kleinen aber auch in einem wachsenden Ausmaß Gemeinschaft, Gemeinsamkeit, Auseinandersetzung und Annäherung zu leben und der Liebe Gottes und der Menschen untereinander Gehör, Gefühl und Gesicht zu geben.

Dieses Bild anklicken, um zur Fotostrecke zu gelangen…

Klotzsche trifft sich

Am ersten Septembersamstag geschieht mit dem Waldgebiet rund ums Klotzscher Forstamt eine erstaunliche Verwandlung. Was bis eben noch ein ziemlich durchgeweichter Waldweg war, wird in den Nachmittagsstunden mehr und mehr zu einem Schauplatz regen musikalischen, kulinarischen und gesprächigen Treibens. Hunderte Familien sowie ältere und jüngere Semester jeglicher Couleur bevölkern, ja übervölkern für einige Stunden das Gelände. Dies nennt man das 7. Königswalder Forst- und Weinfest.

Foto: Simon Berthold

Die Idee, ein jährliches Waldfest zu organisieren, wurde anno 2011 durch den Klotzscher Verein e.V. an die Forstamtsleitung herangetragen mit dem Gedanken, an die Vergangenheit Klotzsches als Jagd- und Luftkurort anzuknüpfen. Seitdem stellt der Staatsbetrieb Sachsenforst die Kulisse zur Verfügung, während der Verein die Organisation erledigt. Mit jedem Jahr wächst das Forst- und Weinfest und das Programm wird vielfältiger. Dabei ist bei Wald und Wein lange nicht Schluss. Neben festen Größen wie der Freiwilligen Feuerwehr und dem Jagdverband präsentierten sich dieses Jahr unter anderem auch die Initiative „Brücken schaffen“ und die Alpha-Lernhilfe. Daneben fanden zahlreiche Live-Veranstaltungen mit musikalischen Beiträgen von Hip-Hop bis A-Capella-Männerchor statt. Wein gab es übrigens auch.

Foto. Simon Berthold

Somit ist das Königswalder Forst- und Weinfest zu einem echten Höhepunkt für Familien und alle anderen geworden und bringt Klotzscher (und solche, die es gerne wären) unter dem Blätterdach zusammen.

David Berthold

Klotzsche läuft nach Plan

Die Alte Post braucht Geld. Für die Finanzierung des Neuen Gemeindezentrums hatten einige Klotzscher eine nicht alltägliche Idee.

Das Projekt

Wer in Klotzsche die Caspari-Straße entlang läuft, kann die Baustelle nicht übersehen. Der Umbau des Neuen Gemeindezentrums geht seinen Gang. Das alte Postgebäude kriegt ein zweites Leben. Der Bau wird von der gesamten Gemeinde getragen. Viele packen mit an, bemühen sich um den Baufortschritt, helfen…. Das Projekt ist auf der Zielgeraden. Aber so ein ambitioniertes Bauprojekt kostet wohl Einiges. Umso mehr, als dass die Baukosten sich auf Grund vielfältiger Ursachen drastisch erhöht haben, verglichen mit der ursprünglichen Planung (siehe auch Gemeindeblatt vom Mai 2017). Daher mussten Ideen her, wie das Spendenaufkommen zu erhöhen sei. Alle Gemeindemitglieder waren aufgerufen, sich Gedanken zu machen. Und so entstand der Spendenlauf. Auch mit dem Hintergedanken, nicht nur den engsten Gemeindekreis um Spenden zu bitten. Das Prinzip: Jeder Teilnehmer läuft so viele der ausgeschriebenen Runden, wie er kann. Und: Jeder Teilnehmer bringt einen oder mehrere Sponsoren mit, die für jede gelaufene Runde einen fixen Beitrag spenden. Nebenbei treibt man noch bissel Sport, tut was für sein Wohlbefinden und trifft seine Nachbarn. Eine win-win-win Situation, wie man so schön sagt. Das fanden dann auch einhundert Leute und rafften sich am Sonntagmorgen auf, die Heide um das Klotzscher Forsthaus zu beleben.

Gespannte Aufmerksamkeit

Dreizehn Teams gingen an den Start. Von ganz klein, dem „Hortteam“, bis sehr lebenserfahren, dem Team “ In der Ruhe liegt die Kraft“, reichte die Bandbreite. Von Anfang an war die Stimmung ausgelassen. Es ging nicht vordergründig um sportlichen Ehrgeiz, sondern ums Miteinander. Ehrgeizige Läufer kamen genauso auf ihre Kosten wie Läufer, die sich einfach nur bewegen wollten.

Der Chef läuft selbst

Und vor allem die Kinder hatten jede Menge Spaß. Eine Runde war um die eintausend Meter lang. Und es kamen etliche zusammen.

Die erste, vorläufige Hochrechnung am Sonntagabend ergab den zugesagten stattlichen Betrag von über 16.000€. Und da waren noch nicht einmal alle Teams ausgezählt.

Nachtanken

Eine willkommene Geldspritze für das Bauprojekt und ein herrlicher Sonntagvormittag in Klotzsche.

Zufrieden

Gute Idee, klasse Umsetzung und ein respektables Ergebnis. Sehr gelungen! Ein großes Lob auch an die Organisatoren!

 

Michael Drechsler

Kinder und Jugendliche in Klotzsche wünschen sich einen Skateplatz

Die Frage, was Kinder, Jugendliche und junge Menschen im Ortsamtsbereich Dresden-Klotzsche beschäftigt und was sie sich wünschen, stellten sich Alexandra Starosta vom Hort der 82. Grundschule sowie Sophia Burudshiew und Stefanie Liefeith von der Mobilen Jugendarbeit Dresden Nord. Vor allem für ältere Kinder und Jugendliche fehlt es in Klotzsche an öffentlich-zugänglichen Treffpunkten und Spiel- sowie Sportmöglichkeiten in der Freizeit. In der durch die Horte der 4 Klotzscher Grundschulen und der Mobilen Jugendarbeit initiierten Kinder -und Jugendbefragung wurde der Wunsch nach einem Skateplatz in Klotzsche geäußert.  Nach dem die Sozialarbeiterinnen der Mobilen Jugendarbeit verschiedene Freiflächen überprüfen ließen, stellte sich der Bolzplatz an der Zinnowitzer Straße/ Ecke Rostocker Straße am geeignetsten heraus.  Gemeinsam mit der Stadtteilrunde Nord, ein Zusammenschluss verschiedener Vertreter*innen der Jugendhilfeeinrichtungen im Dresdner Norden, wurde am 06.04.2017 eine Informationsveranstaltung auf diesem Spielplatz organisiert. Anwohner*innen, Kinder und Jugendliche aus Klotzsche bekamen an diesem Tag die Gelegenheit, mit zuständigen Ansprechpartner*innen, wie z.B. mit Frau Eckardt vom Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft, ins Gespräch zu kommen und über eine eventuelle Umsetzung zu sprechen. Ergebnis dieses Zusammentreffens: Eine Realisierung vor Ort ist nicht möglich, da durch den Abstand zur Wohnsiedlung die Schallemissionswerte nicht eingehalten werden können. Derzeit werden alternative Flächen überprüft.

Am 08.05.2017  wurde das Anliegen bei der Ortsbeiratssitzung  von den Sozialarbeiterinnen der Mobilen Jugendarbeit Dresden Nord vorgestellt, sowie 2 Anträge an den Oberbürgermeister zur Flächenfindung beantragt.

Für weitere Informationen oder bei Interesse an einer Beteiligung:

Stadtjugendring Dresden e.V., Mobils- Mobile Jugendarbeit Dresden Nord, Königsbrücker Landstraße 59, 01109 Dresden, mobils@sjr-dresden.de, www.molang.de

Das Mobils Team

Klotzsche-Skate — Lärm, Müll und Rauschgift?

Skateanlagen sind in, ohne Frage. Eine attraktive Freizeitmöglichkeit für Kinder und Jugendliche. Aber braucht Klotzsche eine Skatanlage für Kinder? Darüber gehen die Meinungen offensichtlich weit auseinander. Am 6. April fand dazu eine öffentliche Diskussion statt. Öffentlich im wahrsten Sinne des Wortes: Auf dem Spielplatz Rostocker Straße trafen sich Vertreter der Jugendamtes Dresden, des Amtes für Stadtgrün und eine relativ große Zahl von Anwohnern, meist ältere Jahrgänge. Die Veranstaltung wurde vom Stadtjugendring Dresden und der Stadtteilrunde Nord organisiert.

Lebhafte Diskussion

Und diese hielten mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg. Hintergrund war offensichtlich viel Verdruss in der Vergangenheit. Spielplätze und Sportanlagen müssen sein, darin bestand Einigkeit. Aber es gibt auch Schattenseiten. Nicht jeder ist beglückt, wenn er am Sonntagmorgen gegen fünf einem Fußballspiel beiwohnen darf. Und nicht jeder freut sich über laute Musik zu nachtschlafener Zeit und tags darauf über leere und zerschlagene Alkoholbehältnisse. Ja, es geht um Kinderspielplätze, aber die Anwohner haben da wohl so ihre Erfahrungen mit „Fremdnutzung“ gemacht. Die Aufregung und die Skepsis waren jedenfalls unüberhörbar. Lärm, Müll und Rauschgift – diese Worte fielen nicht selten. Und niemand der Anwesenden wollte ernsthaft glauben, dass man strenge Regeln zur Nutzung auch durchsetzen könne.

Die Fakten: Es gibt Ideen, im Stadtteil eine Skateanlage zu errichten. Ein Wunsch der Kinder. Die anvisierte Altersgruppe sind die 10–12–Jährigen, für die es bislang im Stadtteil nicht allzu viele öffentliche Möglichkeiten gibt, sich auszutoben.

Es geht zunächst darum, einen geeigneten Standort und die Akzeptanz der Anwohner zu finden. Die Zinnowitzer/Ecke Rostocker Straße war nur eine diskutierte Möglichkeit. Es müssen etliche Dinge durchdacht werden: schließlich leben wir in Deutschland und da gibt es selbst für Skateanlagen eine DIN (DIN EN 14974 „Anlagen für Benutzer von Rollsportgeräten — sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren“).

Wie können die Bedürfnisse der unterschiedlichen Altersgruppen — der Kinder und Jugendlichen, die sich eine Skatebahn wünschen, auf der einen, der Anwohner, die mit den Begleitumständen leben müssen, auf der anderen Seite — berücksichtigt werden?

Michael Drechsler

Beginnendes Verstehen – KM22

„Wir sind doch hier nicht in der Grundschule!“ Der ältere Herr ist sichtlich empört und sieht sich Zustimmung heischend in der Runde um. Hier und da beifälliges Nicken. Das Konzept von „Klotzsche hört sich zu“ für den Bürgerdialog scheint diesmal nicht aufzugehen. Kaum einer der Anwesenden im Speisesaal der frisch modernisierten 82. Oberschule in Klotzsche scheint an diesem Abend des 30.03. Interesse an der Bildung von Gesprächskreisen zu haben, um sich gegenseitig zu sagen, was sie sich in Klotzsche wünschen. Die Leute wollen etwas Anderes hören. „Wo ist denn der Herr Vorjohann?“

Nicht wenige sind der Meinung, dass der Bildungsbürgermeister der Stadt Dresden zu dieser Veranstaltung angekündigt war.

Worum ging es?

Am Nachmittag des gleichen Tages gab es einen Tag der Offenen Tür in der Karl-Marx-Straße 22 in Klotzsche. Die Einrichtung der Jugendhilfe soll ab April 2017 bis zu 23 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufnehmen. Ein Vorhaben, welches im Stadtteil seit Monaten heiß diskutiert wird. Ein Thema, welches durchaus polarisiert.

Die Menschen, die sich an diesem Abend in der Klotzscher Schule versammelt haben, wollen Antworten. Antworten  auf Fragen zu dieser Einrichtung mitten in ihrer Wohngegend. Um es vorwegzunehmen: es gab auch provokante und auch themenfremde Einlassungen an diesem Abend. Nicht wenige der Anwesenden waren skeptisch bis ablehnend, jedoch bemühten sich die meisten um ein sachliches Gespräch. Und es wurde am Ende eines. Dank dreier Akteure der Jugendhilfeeinrichtung. Allen voran Bernard Martinell, Psychologe und Leiter der KM22, sowie Frank-Robert Kühn, Leiter von Kühn und Kollegen, welche im Auftrag der Jugendhilfe die Einrichtung betreiben, sowie Katja Eisenkolb, Psychologin, die bereits in einer ähnlichen Einrichtung in Langebrück tätig war und schon im letzten Bürgerdialog „Klotzsche hört sich zu“ aus dem Alltag einer solchen Institution berichtet hat.

Die drei stellten sich allen Fragen, wichen nicht aus. Sagten auch deutlich, dass nicht immer alles rosarot sei, sondern dass es durchaus Probleme geben könne. Es seien nun mal Jugendliche in einem schwierigen Alter und in einer ganz besonderen Situation. Diese Offenheit und Ehrlichkeit kam an. Vereinzelte Provokationen aus dem Publikum verpufften. Die Bandbreite der Fragen reichte von der Schulpflicht über Besuchs- und Ausgangsregelungen bis hin zu Fragen des Impf- und Versicherungsschutzes und auch der Sexualität. Nicht alle Fragen konnten zur Zufriedenheit beantwortet werden, aber das Team konnte seine Kompetenz in der Betreuung von minderjährigen Flüchtlingen klar vermitteln.

Am Ende waren die Skeptiker zwar immer noch skeptisch. Aber im Gespräch entstand eine Atmosphäre der, sagen wir, beginnenden Verständigung. Man war gewillt, erst einmal abzuwarten und der Einrichtung und ihren Bewohnern eine Chance zu geben. Ab April wohnen in Klotzsche zunächst zwölf Jugendliche aus Syrien, Eritrea….

Klotzsche-Blog wird an diesem Thema dranbleiben.

PS.: Die Abwesenheit des Herrn Vorjohann konnte aufgeklärt werden. Letztendlich waren es doch die sehr missverständliche Ankündigungen in der Presse. Aber auch ohne ihn war der Abend ein Erfolg: Ein Zeichen dafür, dass in Klotzsche auch über umstrittene Themen respektvoll diskutiert werden kann!

Auch eine Kulturhauptstadt hat Stadtteile

Dresden soll 2025 Kulturhauptstadt Europas werden. Um dafür zu werben, tourt Annekatrin Klepsch, Dresdens Bürgermeisterin für Kultur und Tourismus, durch die sächsische Landeshauptstadt. Am 9.3. machte der Wanderzirkus – O-Ton Klepsch – Station im Dresdner Norden. „Bürgerforum zur stadteilbezogenen Kulturarbeit in Klotzsche-Hellerau“, so der etwas sperrige offizielle Titel der Veranstaltung in der Hellerauer Waldschänke.

Annekatrin Klepsch bei der Begrüßung

Gemeinsam mit Ortsamtsleiter Christian Wintrich, dem Leiter des Amtes für Kultur und Denkmalschutz Manfred Wiemer sowie dem Leiter des Kulturhauptstadtbüros Stephan Hoffmann waren die Bürger des Dresdner Nordens aufgefordert, über Kultur zu diskutieren. Und eben nicht über die Hochkultur. Nicht über Semperoper, Schauspielhaus, Frauenkirche oder das europäische Zentrum der Künste Hellerau. Nein, es sollte um die Basis gehen, um die Kultur im Stadtteil und um Stadtteilkultur als Form des Zusammenlebens. Was wollen die Bürger, was haben sie schon, was wünschen sie sich? Nach einem doch eher etwas trockenem und für die Akteure vor Ort kaum neue Erkenntnisse bringendes „Impulsreferat“ von Anne Pallas vom Landesverband Soziokultur Sachsen e.V. über die Definition von Stadtteilkultur gab es dann tatsächlich Diskussion zwischen den ca. fünfzig Anwesenden. In kleinen Gruppen von ungefähr 10-12 Personen wurde über Vorhandes, Wünschenswertes und Machbares, über Mangel und Visionen gesprochen.

Einzelrunden

Es zeigte sich, dass der Dresdener Norden kulturell doch nicht so dröge ist, wie es manchmal scheint. Es existieren unzählige Projekte, Vereine und Initiativen, die sind mit den unterschiedlichsten Aspekten eben dieser Stadtteilkultur befassen. Es gibt sie, die Stadteilrunde Nord, die Volkssolidarität, den Klotzscher Verein, die Hellerauer Bürgerschaft, die Initiative „Brücken schaffen“, die Kirchgemeinden, die Sportvereine, den Waldschänkenverein, die mobile Jugendarbeit und viele mehr, die unsere Stadtteilkultur prägen. Und es gibt als kulturellen „Leuchtturm“ im Dresdner Norden das europäische Zentrum der Künste im Festspielhaus Hellerau, mit dem Golgipark.

Bestandsaufnahme

Es wurde aber auch deutlich, dass dies alles Inseln zu sein scheinen, die kaum oder sehr wenig miteinander vernetzt sind. Dies war auch Thema der anschließenden gemeinsamen Diskussion aller Gruppen, die von Stephan Hoffmann moderiert wurde.

Moderation

Die Antwort auf die Frage, welche Kultur den Dresdner Norden künftig prägen soll, bestand nicht nur in einer Aufzählung von konkreten Events, die man gern hätte. Die gab es selbstverständlich auch. Aber Konsens bestand wohl darin, dass die Vernetzung und die Rahmenbedingung für die Kulturarbeit in Klotzsche und Hellerau verbessert werden müssen. Stichworte waren hier Bürgerbüro, Stadtteilmanagement und Internetplattform zum Informationsaustausch. Außerdem fehlt es offenbar auch an bezahlbaren räumlichen Möglichkeiten, um sich zu treffen und Kulturprojekte gemeinsam zu gestalten. Auch Objekte wie die Waldschänke, die ja prädestiniert sind, diese Funktion zu erfüllen, müssen ihre Betriebskosten erwirtschaften und können ihre Räumlichkeiten nicht kostenlos zur Verfügung stellen.

Resultate

Alles in allem ein sehr interessanter Abend, der gemütlich bei Bier, Brezeln und vielen interessanten Einzelgesprächen ausklang. Das Thema Kulturhauptstadt Dresden war am Ende keines mehr. Es ging wirklich um uns, um unseren Stadtteil. Wünschenswert wäre allerdings noch ein breiteres Publikum gewesen. Christian Wintrich, der Klotzscher Ortsamtsleiter brachte es auf den Punkt: „Es ist ein wenig schade, dass man bei solchen Anlässen doch immer nur bekannte Gesichter sieht.“

Dennoch, die Diskussionen haben gezeigt, dass es Rede- und Handlungsbedarf gibt. Der Dresdner Norden sollte nicht zu einer reinen „Schlafstadt“ werden, was vereinzelt befürchtet wird.

 

Michael Drechsler

März 2017